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Tibets Geheimnis: Die Reinkarnation buddhistischer Meister

Datum: 27.07.2015,10:49:00 Quelle:China Tibet Online

Wenn ein Trülku – ein "lebender Buddha", die Reinkarnation eines buddhistischen Meisters – stirbt, muss man sich sofort auf die Suche nach seiner wiedergeborenen Seele, dem Seelenkind, begeben.

Die Reinkarnation buddhistischer Meister

Die Tibeter haben ein komplettes Regelwerk und verschiedenste Prüfungen entwickelt, um Reinkarnationen hoher Lamas – sogenannter Seelenkinder – zu finden. Dazu gehören Phrophezeiungen und Symbole, aber auch als Vorzeichen gedeutete Ereignisse, wenn sie in bestimmten Regionen gehäuft auftreten. Um das Kind dann zu finden, wird besonders den Landschaften und Gebäuden Beachtung geschenkt – kommen solche in den Träumen oder Prophezeiungen vor, ist das betreffende Seelenkind oft leichter zu finden. Doch für einige besonders hohe lebende Buddhas, wie beispielsweise den Dalai Lama oder den Panchen Lama, ist das System zur Suche der Reinkarnationen dann doch deutliche umfassender und auch komplizierter. Wenn es um die Suche nach Seelenkindern geht, werden die Aussagen oder Prophezeiungen gewöhnlicher Trülkus und berühmter Persönlichkeiten berücksichtigt – doch wenn es um den Namen und die Himmelsrichtung der Seelenkinder sehr hoher Reinkarnationen wie dem Dalai Lama oder dem Panchen Lama geht, werden nur die Prophezeiungen eines Dharmapala (Schutzgottheit) berücksichtigt.

Zwischen den Vorzeichen differenzieren

Aus dem Kreise der Vertrauten des Dalai Lama können Hinweise kommen, wo das neue Seelenkind zu finden ist. Dabei kann es sich um Dinge handeln, die der Dalai Lama noch zu Lebzeiten zu seinen Vertrauten gesagt hat, oder aber auch um die Körperhaltung des Dalai Lama, nachdem er ins Nirvana eingetreten ist – diese kann eventuell zeigen, in welcher Richtung man nach dem Seelenkind suchen muss.

Das Orakel bringt die Gewissheit

Es gibt ein Dharmapala genanntes Orakel, dass im Diesseits weltliche Ereignisse voraussagen soll. Die Tibeter bringen ihm sehr viel Respekt entgegen, sie vertrauen völlig auf solche Dinge und zweifeln sie nicht an – die meisten scheuen sich auch nicht davor, das Orakel zu fragen, wenn sie in ihrem Alltagsleben auf Probleme stoßen. Für diese Leute sind die hellseherischen Qualitäten des Naiqiong-Dharmapala-Orakels am wichtigsten. Das Dharmapala-Orakel wurde schon häufig gefragt, wenn es darum ging, das Seelenkind des Dalai Lama zu finden. Dabei hat das Orakel häufig sehr genaue Angaben zu dem Umfeld gemacht, in dem sich das Seelenkind befindet.

Das Dharmapala-Orakel hatte in Tibet einen teilweise ungeheuren Einfluss – zu Lebzeiten des 13. Dalai Lamas hatte es folgende Funktionen: zum Beginn der Suche nach dem Seelenkind des 12. Dalai Lama nannte das Orakel den Namen der Eltern des Kindes (also den Eltern des 13. Dalai Lama), außerdem nannte es einige Details zu der Heimat der Familie; ein Komplott zum Mord des Dalai Lama wurde von dem Orakel entdeckt; 1931 prophezeite es die Krankheit und den baldigen Übergang des Dalai Lama ins Nirvana.

Patrouille um den heiligen See

In den tibetischen Gebieten gibt es viele heilige Seen, und bei der Suche nach dem Seelenkind des Dalai Lama oder des Panchen Lama müssen die Suchenden an einen der berühmtesten heiligen Seen, den Lamu Lacuo-See, um dort nach Hinweisen und Zeichen zu suchen. Der prächtige, azurblaue See ist so still und klar, dass sich die Wolken in ihm spiegeln. In tibetischen Aufzeichnungen wird berichtet, dass ein Suchtrupp auf der Suche nach dem 13. Dalai Lama an dem heiligen See vorbeikam, als ein plötzlich aufkommender Wind die Schneedecke von dem zugefrorenen See herunterfegte. Die Suchenden sahen darin ein Zeichen, das ihnen später auch half, das Seelenkind zu finden.

Die Reinkarnation buddhistischer Meister

Die Suche nach dem Seelenkind 

Nachdem die Fotos vom heiligen See entwickelt sind, geht es an den konkreten Teil der Arbeit – der Suche nach dem Seelenkind. Sobald die Gruppe vom heiligen See nach Lhasa zurückkommt, beraten religiöse Vertreter der Regierung und Repräsentanten der drei großen Klöster hinter verschlossenen Türen. Dann erst beginnt die Suche nach dem Seelenkind. Einige hohe Lamas und andere Würdenträger machen sich dann auf die Suche. In ganz Tibet schauen sie nach den Bildern, die ihnen der See gezeigt hat.

Alte Lieblingsgegenstände wiedererkennen

Da praktisch immer mehr als ein Kind gefunden wird, bei dem es sich um das Seelenkind handeln könnte, ist das Erkennen von Lieblingsgegenständen eine Prüfung, die bei der Suche nach dem echten Seelenkind nicht fehlen darf. Bei dieser Prüfung werden dem Kind persönliche Gegenstände einer früheren Inkarnation des Dalai Lama gezeigt. Bei diesen Gegenständen kann es sich beispielsweise um ein Glöckchen, eine Gebetskette oder ähnliche Dinge handeln. Einige der gezeigten Gegenstände sind allerdings nur Kopien früherer Lieblingsgegenstände des Dalai Lamas, andere sind echt. Wenn das zu prüfende Kind die richtigen Gegenstände auswählen kann, dann ist das schon außergewöhnlich. Wenn bei dieser Prüfung nurmehr ein Kind übrig bleibt, handelt es sich schon mit Sicherheit um das entsprechende Seelenkind. Falls aber mehrere Kinder die Prüfung bestehen, muss das Seelenkind mittels einer anderen Methode ausgewählt werden – dafür wird ein Los aus der goldenen Urne gezogen.
Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Suche nach wiedergeborenen Trülkus zu einer Art Wettbewerb, mit dem sich verschiedene Aristokraten-Clans Macht sichern wollten. Um diese Machtkämpfe – die nicht selten in Mord und Totschlag endeten – zu beenden, wurde im Jahre 1793 ein Losverfahren eingeführt: die Goldene Urne. Bei dem in der Qing-Dynastie eingeführten Verfahren gab es zwei Goldene Urnen. Mit der einen wurden die Seelenkinder des Dalai Lama und des Panchen Lama bestimmt, sie steht im Jokhang-Tempel in Lhasa. Die andere wurde benutzt, um die Reinkarnation des höchsten mongolischen Trülku zu finden, sie steht im Yonghegong-(Lama)-Tempel in Beijing.

In dem zweiten Artikel der "Kaiserlichen Bestimmungen zum Umgang Problemen bei der Regierung Tibets" heißt es, dass das Losverfahren der Goldenen Urne dann angewendet werden muss, wenn es für die Nachfolge eines hohen Trülku mehrere "Kandidaten" gibt. In diesem Fall müssen – unter Aufsicht der höchsten Lamas und des höchsten kaiserlichen Statthalters in Tibet – die Namen der potenziellen Seelenkinder in mandschurischer, chinesischer und tibetischer Schrift auf ein Elfenbeinstäbchen geritzt werden. Dann wird der Name des Seelenkindes gezogen. Die Reinkarnation des Trülku erhält dann von der Zentralregierung eine Ernennungsurkunde und ein persönliches Siegel.

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