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[Weißbuch] Die Entwicklung der tibetischen Kultur

Datum: 26.01.2016,16:44:45 Quelle: China Tibet Online

 Die Entwicklung der tibetischen Kultur

Presseamt des Staatsrats der Volksrepublik China

Juni 2000 Beijing

Vorwort

China ist ein multinationales Land. Die tibetische Nationalität als ein Mitglied der chinesischen Großfamilie hat in der langen Geschichte durch Austausch mit anderen Nationalitäten, wobei sie einander förderten, eine brillante Kultur mit speziellen Eigenarten geschaffen und entwickelt. Die Kultur Tibets stellt bis heute eine glänzende Perle in der Schatzkammer der chinesischen Kultur und der Weltkultur dar.

 

Sie bildete sich aus der Tubo-Kultur im Yalong-Tal im mittleren Einzugsgebiet des Yarlung Zangbo und der alten Shang-Shung-Kultur im westlichen Teil des Qinghai-Tibet-Hochplateaus. Der Buddhismus kam im 7. Jahrhundert während der Herrschaft von Songtsan Gampo von Zentralchina, Indien und Nepal nach Tubo und hat sich dann Schritt für Schritt zum tibetischen Buddhismus mit ausgeprägter Charakteristik entwickelt. Gleichzeitig beeinflußten die Kultur von Indien und Nepal in Südasien, die Kultur von Persien und die arabische Kultur in Westasien, insbesondere aber die Han-Kultur von Zentralchina, die Entwicklung der tibetischen Kultur. Im Prozeß der geschichtlichen Entwicklung der tibetischen Kultur erreichten die tibetische Baukunst, das Kunstgewerbe, die Bildhauerei, Malerei und Schmuckkunst sowie Musik, Tanz, Theater, Sprache und Schrift, Literatur, die volkstümliche Literatur, die tibetische Medizin und die Kräuterkunde sowie die Astronomie und Kalenderkunde ein hohes Niveau.

 

Aus geschichtlichen Gründen entstand in Tibet in der feudalen Leibeigenenhaltergesellschaft eine theokratische Lokalregierung, deren Macht eine Handvoll von Mönchen und Adligen der Oberschicht innehatte. Das hatte zur Folge, daß die Kultur des tibetischen Buddhismus in Tibet eine lange Zeit vorherrschte. Diese Situation dauerte bis zur demokratischen Reform 1959 an. Die Produktionsmittel und die kulturelle Erziehung waren ausschließlich Privilegien von einer Minderheit der hochrangigen Mönche und Adligen. Literatur und Kunst standen nur zu ihrer Verfügung. 95% der Bevölkerung waren Leibeigene und Sklaven und führten ein extrem armes Leben. Sie hatten nicht einmal die Sicherheit des Existenzrechts, geschweige denn das Recht auf kulturelle Erziehung. Die lange Zeit der feudalistischen Leibeigenenhaltergesellschaft, die politische und religiöse Macht in sich vereinte, behinderte nicht nur die Entwicklung der Produktivkraft in Tibet, sondern bremste auch die Entwicklung der traditionellen Kultur Tibets einschließlich jener der Kulturdenkmäler und bekannten religiösen Stätten, so daß sie immer in einem abgeschlossenen und sogar zurückgehenden Zustand blieben. Von moderner Wissenschaft, Technik und kultureller Erziehung konnte keine Rede sein.

 

Nach der Gründung der Volksrepublik China legte die zentrale Volksregierung großes Gewicht auf den Schutz und die Förderung der prächtigen traditionellen Kultur der tibetischen Nationalität. Im Jahr 1951 unterzeichneten die zentrale Volksregierung und die örtliche Regierung Tibets das „17-Punkte-Abkommen“ zur friedlichen Befreiung Tibets, in dem festgelegt war: „Gemäß den örtlichen Gegebenheiten werden die nationale tibetische Sprache, Schrift und Schulbildung entwickelt.“ Im Jahr 1959 wurde mit Unterstützung der zentralen Regierung in Tibet eine demokratische Reform durchgeführt, wodurch das Leibeigenenhaltersystem abgeschafft und eine Million von Leibeigenen und Sklaven befreit wurden. Allmählich wurde ein System der regionalen Autonomie der Nationalitäten durchgesetzt, so daß die Gesellschaft und Kultur Tibets in eine neue Epoche eintrat. Die tibetische Kultur wird seither nicht mehr von wenigen Mönchen und Adligen der Oberschicht monopoliert, sondern ist ein kulturelles Erbe, das die gesamte tibetische Bevölkerung pflegt und entfaltet.

 

Gemäß der Verfassung und dem „Gesetz der regionalen Autonomie der Nationalitäten“ haben die zentrale Volksregierung und die Volksregierung des Autonomen Gebiets Tibet in den vergangenen über 40 Jahren zur Förderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung in Tibet und zur Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse der tibetischen Bevölkerung riesige Mittel und Arbeitskräfte eingesetzt sowie von allen gesetzlichen, wirtschaftlichen und administrativen Möglichkeiten Gebrauch gemacht, um die glänzende traditionelle Kultur Tibets zu schützen und zu pflegen und eine moderne wissenschaftliche und kulturelle Erziehung zu schaffen und voranzutreiben. Dabei wurden große Erfolge erzielt. Die tibetische Bevölkerung pflegt, entwickelt und genießt als Herr der neuen Zeit die traditionelle tibetische Kultur und schafft gemeinsam ein modernes und zivilisiertes Leben. Die Kultur Tibets erlebt einen nie dagewesenen Sprung nach vorn.

 

I. Die tibetische Sprache und Schrift werden in großem Umfang studiert, angewandt und entwickelt

 

Im Autonomen Gebiet Tibet machen die Tibeter 95% der Bevölkerung aus. Tibetisch ist im ganzen Gebiet die allgemein benutzte Sprache. Das Autonome Gebiet Tibet mißt gemäß der Verfassung und dem „Gesetz der regionalen Autonomie der Nationalitäten“ dem Recht der tibetischen Bevölkerung großes Gewicht bei, die Sprache und Schrift der eigenen Nationalität zu lernen, zu benutzen und zu entwickeln. 1987 und 1988 wurden die vorläufigen Vorschriften über das Studium, die Anwendung und Entwicklung des Tibetischen im Autonomen Gebiet Tibet sowie detaillierte Durchführungsregelungen zu diesen Vorschriften erlassen. Damit wurden das Studium, der Gebrauch und die Entwicklung des Tibetischen in die gesetzliche Bahn gelenkt. Die Regierungen der unterschiedlichen Ebenen in Tibet setzen vorschriftsmäßig die Gesetze zum Schutz und zur Förderung der nationalen Sprache und Schrift in die Tat um. Neben der Gewährleistung des Rechts der tibetischen Bevölkerung auf das Studium und die Anwendung der Sprache und Schrift der eigenen Nationalität werden die tibetische Sprache und Schrift zusammen mit der Politik, Wirtschaft und Kultur kontinuierlich weiterentwickelt.

 

Das Tibetische wird in Tibet in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens benutzt. Seit der demokratischen Reform von 1959 wurden alle Beschlüsse und Gesetze, die der Volkskongreß des Autonomen Gebiets Tibet verabschiedet hat, sowie die durch die Regierungen der unterschiedlichen Ebenen und die Regierungsbehörden veröffentlichten Dokumente und Bekanntmachungen sowohl in Tibetisch als auch in Chinesisch abgefaßt. In der juristischen Praxis werden für die tibetischen Beteiligten stets die tibetische Sprache angewandt und die gerichtlichen Dokumente in tibetischer Schrift geschrieben. Die Amtssiegel, Ausweise, Formulare, Briefumschläge, amtliche Brief- und Konzeptpapiere, Kennzeichen sowie Schilder für Behörden, Fabriken und Bergwerke, Schulen, Bahnhöfe, Flughäfen, Kaufhäuser, Hotels, Theater, Kinos und Sportanstalten sowie Straßenschilder und Verkehrsschilder sind ebenfalls in Tibetisch und Chinesisch.

 

Rundfunk und Fernsehen im Autonomen Gebiet Tibet senden jeden Tag über zwanzig Stunden Programme in Tibetisch. Nachdem Oktober 1999 ein Satellitenkanal des tibetischen Fernsehens errichtet worden ist, strahlt dieser täglich Programme in Tibetisch und ins Tibetische übersetzte Filme aus. Man legt großen Wert darauf, daß die Einwohner in Agrar- und Viehzuchtgebieten auch Filme sehen können. Jedes Jahr werden mindestens 25 neu ins Tibetische synchronisierte Filme im ganzen Gebiet gezeigt.

 

Tibetische Bücher, Zeitschriften und Zeitungen haben eine rasche Entwicklung erlebt. Allein seit 1989 erschienen 441 Bücher in Tibetisch, manche davon erzielten im In- und Ausland Auszeichnungen. Jetzt gibt es in Tibet 14 Zeitschriften und 10 Zeitungen in tibetischer Sprache. Die Tageszeitung Tibet erscheint täglich in Tibetisch. Zahlreiche Artikel dieser Zeitung werden direkt in Tibetisch verfaßt. Darüber hinaus wurde mit großem Aufwand ein tibetisches Redaktions- und Satzsystem mit Computersteuerung errichtet. Von der Zeitung der Wissenschaft und Technik in Tibet und vom Informationsblatt über Wissenschaft und Technik in Tibet gibt es tibetische Versionen, die viel gelesen werden. Auch alle Organisationen im literarisch-künstlerischen Bereich bedienen sich der tibetischen Sprache.

 

Das Studium der tibetischen Sprache und Schrift ist nach dem Gesetz gewährleistet. Das Autonome Gebiet Tibet fördert das Zwei-Sprachen-Bildungssystem mit Tibetisch als Schwerpunkt. Sämtliche Lehrstoffe und –mittel für die Grundschulen und Mittelschulen wurden ins Tibetische übersetzt und herausgegeben.

 

Mit dem Fortschritt der gesellschaftlichen Entwicklung wurden der Wortschatz und die Grammatik des Tibetischen Schritt für Schritt bereichert und entwickelt. Bedeutende Fortschritte wurden bei der Vereinheitlichung der tibetischen Terminologie und der Standardisierung der Informationstechnologie errungen. Eine tibetische Kodierung wurde nach dem chinesischen und dem internationalen Standard ausgearbeitet. Das Tibetische trägt nun der internationalen Tendenz des Informationszeitalters Rechnung.

 

II. Kulturdenkmäler und antike Schriften werden effektiv geschützt und zugänglich gemacht

 

Denkmalschutz war früher in Tibet so gut wie unbekannt. Nach der demokratischen Reform in Tibet legte die zentrale Volksregierung großen Wert auf den Denkmalschutz. Schon im Juni 1959 wurde China in Tibet eine Verwaltungskommission für Archive und Kulturdenkmäler eingerichtet, die im großen Umfang Kulturschätze und Archive zusammentrug und schützte. Gleichzeitig bildete die zentrale Volksregierung Arbeitsgruppen, die sich jeweils in Lhasa, Xigaze und Shannan an Ort und Stelle schwerpunktmäßig um Kulturdenkmäler kümmerten. Kulturdenkmäler wie der Potala-Palast, die Klöster Jokhang und Ganden, die Gräber der tibetischen Könige sowie die Ruine des Forts auf dem Berg Dzong in Gyangze, einer Verteidigungsanlage gegen die britische Aggression, und die Ruinen des Königreichs Guge, wurden vom Staatsrat 1961 als die ersten Schwerpunktobjekte unter den staatlichen Denkmalschutz gestellt. Während der Zeit der „Kulturrevolution“ ordnete Ministerpräsident Zhou Enlai persönlich an, spezielle Schutzmaßnahmen für Schwerpunkt-Denkmalschutzobjekte wie den Potala-Palast zu ergreifen. Um eine große Anzahl von Kulturdenkmälern rechtzeitig in Stand zu setzen bzw. zu schützen, investierte die zentrale Volksregierung nach der „Kulturrevolution“ über 300 Millionen Yuan, mit denen mehr als 1400 Tempelanlagen restauriert und dem Publikum zugänglich gemacht wurden. Insbesondere zwischen 1989 und 1994 stellte die zentrale Volksregierung zur Renovierung des Potala-Palastes 55 Millionen Yuan sowie eine große Menge von Gold und Silber zur Verfügung, beispiellos in der Geschichte des Denkmalschutzes in China. Im Mai 1994 inspizierten von der Kommission für das Welterbe der UNESCO beauftragte Experten den renovierten Potala-Palast und stellten dabei fest, daß Planung und Ausführung der Renovierung dem fortschrittlichen Standard der Welt entsprachen. „Ein Wunder in der Geschichte zum Schutz antiker Bauten“ und „ein großer Beitrag zum Schutz der tibetischen Kultur und des Kulturerbes der Menschheit“, so hieß es. Danach einigte sich die Kommission für das Welterbe im Dezember 1994 hinsichtlich des Werts und des gepflegten Zustands, den Potala-Palast in die Liste des Kulturerbes der Menschheit aufzunehmen. Gleichzeitig unterstützten Vertreter aus unterschiedlichen Ländern die Aufnahme des Jokhang-Klosters in die Liste des Kulturerbes der Menschheit. Zur Zeit investiert die zentrale Volksregierung jährlich vier bis fünf Millionen Yuan in den Schutz von Kulturdenkmälern in Tibet. Zwischen 1994 und 1997 investierte die zentrale Volksregierung 100 Millionen Yuan in den Bau des Museums des Autonomen Gebiets Tibet, das mit einer Grundfläche von 52 479 Quadratmetern und einer Baufläche von 21 000 Quadratmetern eines der modernsten Museen Chinas darstellt.

 

Die Regierung des Autonomen Gebiets Tibet gründete 1965 die Verwaltungskommission für Kulturdenkmäler, die sich mit dem Schutz der Kulturdenkmäler im ganzen autonomen Gebiet beschäftigt. Elf Objekte wie die Tempelanlagen Ramoqe, Radreng und Tsurpu wurden zu Schwerpunkt-Denkmälern des autonomen Gebiets erklärt. Manche reparaturbedürtige Anlagen wurden restauriert. In den 80er Jahren erließ das Autonome Gebiet Tibet eine Reihe von gesetzlichen Vorschriften wie die „Bekanntmachung über den verstärkten Schutz der Kulturdenkmäler der Volksregierung des Autonomen Gebiets Tibet“, „die Provisorischen Verordnungen zur Verwaltung der Kulturschätze im Volk“, die „Bestimmungen für den Denkmalschutz des Autonomen Gebiets Tibet“ und die „Verwaltungsvorschriften zum Schutz des Potala-Palastes“, so daß der Denkmalschutz in Tibet in die Bahn des Gesetzes und der Standardisierung gelenkt wurde. Ein Kontingent für den Schutz der Kulturschätze entstand und entwickelte sich in Tibet. Derzeit beschäftigen sich 270 Fachleute mit dem Kulturdenkmalschutz, davon sind 95% Tibeter.

 

Die Archäologie Tibets hat große Erfolge zu verzeichnen. Die Ausgrabungsarbeiten in den Ruinen von Karuo im Bezirk Qamdo lenkten die Aufmerksamkeit des In- und Auslands auf sich. Seit den 70er Jahren führten chinesische Archäologen zahlreiche Ausgrabungen in Tibet durch, wobei sie auf Spuren von Menschen aus der Jung- und Altsteinzeit stießen und sich allmählich die Gesellschaft und die Geschichte von Tibet sowie seine traditionelle Kultur offenbarten. Von der Mitte der 80er bis Anfang 90er Jahre wurden über 1700 Fundstellen untersucht oder neu entdeckt. Mehrere tausend Relikte wurden zusammengetragen. Die vorläufig geordneten Schriften umfassen sechs Millionen Schriftzeichen und 670 Zeichnungen. Über 30 000 Fotos wurden aufgenommen und über 400 Inschriften von Gedenksteinen, Steinschnitzereien und Wandmalereien als Abreibungen und Nachbildungen konserviert. Die Entwicklung Tibets vom Altertum bis heute ist damit umrissen, für den Austausch zwischen der tibetischen Kultur und den Kulturen der Han sowie anderer Nachbarvölker gibt es nun historisch aufschlußreiches Material. Umfassende und zuverlässige Fakten stehen den Forschern von heute und kommender Generationen zur Verfügung, damit sie auf dieser Grundlage die Pflege der Kulturdenkmäler und die weiteren archäologischen Forschungen in Tibet vorantreiben.

 

Tibet verfügt über 18 Schwerpunktobjekte unter staatlichem Kulturdenkmalschutz, drei Kulturstädte von historischer Bedeutung auf staatlicher Ebene, 64 Objekte unter dem Kulturdenkmalschutz auf der Gebietsebene und weitere 20 Objekte unter dem Kulturdenkmalschutz auf Kreis- und Stadtebene. In den letzten Jahren hat Tibet in Japan, Frankreich, Italien, Argentinien und anderen Ländern Ausstellungen von Kulturschätzen erfolgreich veranstaltet, was den Kulturaustausch zwischen der tibetischen Nationalität und anderen Völkern und das Verständnis der internationalen Gemeinschaft gegenüber Tibet gefördert hat.

 

Tibets Archive werden sorgfältig verwahrt. Die gesammelten Materialien werden in China mengenmäßig nur von jenen der HanKultur übertroffen. Schon im Juni 1959 erließ das Vorbereitungskomitee für das Autonome Gebiet Tibet nach der Anweisung des Staatsrats Regelungen über den verstärkten Schutz von Kulturdenkmälern und eine bessere Verwaltung der Archive und beschäftigte sich mit der Bergung, Sichtung, Sammlung und Aufbewahrung der von der ehemaligen lokalen Behörde in Tibet und der ihr unterstehenden Abteilungen sowie von Tempelanlagen und Adligen verwahrten Dokumente und Archive. So wurde bald ein relativ vollständiges Archiv aufgebaut. 1984 stellte die zentrale Volksregierung große Geldmittel zur Verfügung, um ein modernes Archiv des Autonomen Gebiets Tibet mit vielfältigen Funktionen ins Leben zu rufen. Damit wurden die Bedingungen für die Archivverwaltung wesentlich verbessert. Heute sind in diesem Archiv über drei Millionen Dokumente aufbewahrt. Die Herausgabe von großformatigen Bänden wie Auswahl des historischen Archivs Tibets und Statistische Aufzeichnungen aus dem Jahr des Eisernen Tigers hat für weitere Forschungsarbeiten wichtige Materialien bereitgestellt. Die Regierungen unterschiedlicher Ebenen in Tibet haben mehr als vier Millionen historische Texte auf Papier, Seide, Holz, Metall, Stein und Pflanzenblättern zusammengetragen. Über 90% der gesammelten Texte sind in Tibetisch abgefaßt, die übrigen in Chinesisch, Mandschurisch, Mongolisch, Hindi, Sanskrit, Nepalesisch, Englisch, Russisch und anderen Sprachen. Das Archiv umfaßt die Zeitspanne von der Yuan-Dynastie bis zur Gegenwart und stellt damit lückenlos eine Schatzkammer des historischen Archivs dar.

 

III. Sitten, Gebräuche und religiöse Glaubensfreiheit werden respektiert und geschützt

 

Der Staat respektiert und schützt das Recht und die Freiheit der Tibeter und der Mitglieder anderer Nationalitäten in Tibet, nach ihren traditionellen Sitten und Gebräuchen und ihrem eigenen Willen gesellschaftlichen und normalen religiösen Aktivitäten nachzugehen sowie Opferfeierlichkeiten und wichtige religiöse und volkstümliche Feierlichkeiten zu veranstalten. Gleichzeitig werden mit dem Fortschritt und der Entwicklung der Gesellschaft dekadente, rückständige und die Werktätigen verachtende Gebräuche verworfen. Dies bringt nicht nur das Streben der tibetischen Bevölkerung nach moderner Zivilisation und einem gesunden Leben, sondern auch den andauernden Fortschritt der tibetischen Kultur in der neuen Ära zum Ausdruck. Die tibetische Bevölkerung hat im alltäglichen Leben bezüglich Kleidung und Essen sowie bei ihren Hochzeits- und Trauerfeiern eine Vielzahl von neuen Sitten und Gebräuchen übernommen und damit ihr Leben bereichert, wobei sie ihre alten Traditionen hinsichtlich Trachten, Essen und Wohnkultur jedoch weiter zu pflegen wissen. Jährlich werden sowohl traditionelle volkstümliche Feste wie das tibetische Neujahrsfest, das Sakadawa-Fest, Ongkor-Fest, das Bade-Fest, das Shoton-Fest, Butterlaternen-Fest und Dharma-Fest, das Fest der Opferverbrennung, das Garchachen-Fest, das Fest des Pferderennens in Lhasa wie auch Feierlichkeiten in anderen Orten und religiöse Feiern in Klöstern wie das Simo-Chento-Fest im Kloster Tashilhunpo, das Nganjo-Fest im Kloster Ganden, das Fest der ausgewählten Sutren und religiöser Tänze im Kloster Samye, das Juli-Vajra-Fest im Kloster Sakya, das Fest der Aufstellung des Gebetsfahnenstocks im Kloster Tsurpu und das Paltung-Tanbo-Fest im Kloster Radreng gefeiert. Ferner werden landesweite und internationale Feste wie das Frauenfest am 8. März, das Fest der Werktätigen am 1. Mai, das Fest der Jugend am 4. Mai, das Kinderfest am 1. Juni und der Nationalfeiertag am 1. Oktober begangen. In Tibet haben sich somit Sitten und Gebräuche herausgebildet, die den neuen Zeitgeist mit der traditionellen Kultur Tibets verbinden.

 

Die zentrale Volksregierung und die Volksregierung des Autonomen Gebiets Tibet schenken der Respektierung und Gewährleistung von Glaubensfreiheit und normalen religiösen Aktivitäten der Tibeter besonders große Aufmerksamkeit. Nach der demokratischen Reform wurden Kunstgegenstände und andere religiöse Relikte sowie Tempel und Klöster entsprechend dem Wunsch der Mönche und Nonnen sowie mit Rücksicht auf die religiösen Bedürfnisse der Bevölkerung in gutem Zustand erhalten. Die Zentralregierung stellte den Potala-Palast, die drei großen Klöster in Lhasa sowie das Kloster Jokhang und das Kloster Tashilhunpo in Xigaze als Schwerpunktobjekte unter staatlichen Denkmalschutz. Die Wandmalereien, Schnitzereien, Statuen, Thangkas, handwerklichen Dekorationen, Sutren, Opfergaben und Kultgeräte in diesen Klöstern sowie die Meditationsräume, Tempelhallen, Pagoden und Stupas wurden gut gepflegt bzw. restauriert. Besonders seit den 80er Jahren hat der Staat große Geldsummen zugewiesen, um die berühmten Klöster Ganden, Yungbulhakhang und Sanggaguotuo wiederzuherstellen. Außerdem wurden eine Reihe bekannter Klöster und Tempel, die seit vielen Jahren nicht überholt wurden, wie z. B. die Klöster Samye, Shalu, Sakya, Changzhug, Qamba Ling und Toling, revoviert. Die im Potala-Palast, im Palast Norbulingka und im Kloster Sakya aufbewahrten Sutren und klassischen Werke wurden gut gepflegt. Der Katalog von Klassikern im Potala-Palast, die Büchersammlung vom Schneeland und Der Ursprung der Religion von Deu sowie andere Dokumente und antike Schriften wurden rechtzeitig gerettet, kollationiert und herausgegeben.

 

Zur Zeit gibt es in Tibet mehr als 46 000 Mönche und Nonnen in insgesamt über 1700 Tempeln, Klöstern und anderen Stätten für religiöse Aktivitäten, in denen das normale religiöse Leben und bei allen wichtigen religiösen Festtagen große Zeremonien stattfinden. Der tibetische Zweig der Vereinigung der Buddhisten Chinas ist die Organisation aller Schulen des tibetischen Buddhismus in Tibet. Es gibt gegenwärtig sieben Zweigvereinigungen auf Bezirks- und Stadtebene. Ihr Organ Der Tibetische Buddhismus erscheint in Tibetisch. Darüber hinaus gibt es eine Akademie für den tibetischen Buddhismus und ein Institut für die Vervielfältigung der tibetischen Sutren.

 

IV. Die Kultur und Kunst werden vollständig gepflegt und entfaltet

 

Die zentrale Volksregierung und die Volksregierung des Autonomen Gebiets Tibet messen nach wie vor der Pflege und Entfaltung der tibetischen Kultur und Kunst großen Wert bei. Schon in den 50er Jahren gingen Literatur- und Kunstschaffende verschiedener Nationalitäten aus anderen Provinzen zusammen mit tibetischen Literatur- und Kunstschaffenden unter das Volk, um volkstümliche Musikstücke, Tänze, Volkserzählungen, Sprichwörter, Volksreime usw. zu sammeln und zu bearbeiten. Danach wurde eine Reihe von Büchern wie Tibetische Lieder und Gedichte herausgegeben. Seit Ende der 70er Jahre führte der Staat bezüglich des Erbes der volkstümlichen tibetischen Literatur und Kunst eine großangelegte und systematische Untersuchung, Sammlung und Aufzeichnung durch. Seit den 80er Jahren wurden Institute für die Rettung, Kollationierung und Erforschung des Kulturerbes der Nationalitäten gegründet. Aktivitäten zur Rettung, Sammlung, Erforschung, Zusammenstellung und Publizierung von volkstümlicher Literatur und Kunst der Nationalitäten wurden in noch nie dagewesenem Umfang entfaltet. Die Regierung des Autonomen Gebiets Tibet schickte Untersuchungsgruppen in alle Städte, Gemeinden, Dörfer, Tempel und Klöster des ganzen Gebiets, um eine umfassende Untersuchung und Aufzeichnung durchzuführen. Dabei wurden tibetische und chinesische Schriften von etwa 30 Millionen Schriftzeichen gesammelt, eine große Menge von Video- und Audio-Material und fast 10 000 Bilder aufgenommen. Aus diesen Materialien hat man die Bücher Geschichte der Chinesischen Opern und Dramen: Band Tibet, Sammlung von Volksdichtungen Chinas: Band Tibet, Sammlung Chinesischer Volkstänze: Band Tibet und Sammlung Chinesischer Sprichwörter: Band Tibet zusammengestellt und herausgegeben. Sammlungen tibetischer Balladenkunst, Volkslieder, Opern und Volkserzählungen werden zur Zeit bearbeitet und bald erscheinen. Die Zusammenstellung und Herausgabe dieser großen Sammlungen sind für die umfassende Rettung und den effektiven Schutz der ausgezeichneten traditionellen tibetischen Kultur, ihrer volkstümlichen Literatur und Kunst von großer Bedeutung.

 

Das großartige Heldenepos König Gesar, das die Tibeter im Verlauf ihrer langen Geschichte geschaffen haben, ist eine kostbare Rarität in der Schatzkammer der chinesichen und auch der Weltliteratur. Es handelt sich um ein von Erzählkünstlern mündlich überliefertes Werk. Um diesen kulturellen Schatz der Tibeter zu schützen, wurde 1979 ein spezielles Institut für die Rettung und Kollationierung dieses Epos im Autonomen Gebiet Tibet etabliert, das für die Aufzeichnung, Erforschung und Publizierung des Epos zuständig ist. Der Staat hat das Epos in die Liste der Schwerpunktprojekte der wissenschaftlichen Forschung im Sechsten, Siebten und Achten Fünfjahresplan aufgenommen. In 20jährigen Bemühungen wurden etwa 300 auf Tibetisch handgeschriebene oder mittels Holzplatten gedruckte Bände gesammelt. Abzüglich doppelte Versionen beträgt die Zahl dieser Bücher rund 100 Bände, von denen 70 in einer Auflage von über drei Millionen Exemplaren in tibetischer Sprache herausgebracht wurden. Dadurch ist aus diesem lange mündlich überlieferten Epos ein vollständiges literarisches Monumentalwerk geworden, das als „König der Epos der Welt“ bezeichnet wird. Parallel dazu wurden mehr als 20 Bände des Epos ins Chinesische übersetzt und herausgegeben, manche davon erschienen auch in englischer, japanischer und französischer Sprache. Dies ist ein beispielloser Vorgang beim Schutz des Erbes der volkstümlichen Literatur und Kunst der tibetischen Nationalität und in der Geschichte der Publikation.

 

In Verbindung mit den traditionellen Formen und Stilen haben die moderne Literatur und Kunst Tibets eine enorme Entwicklung erlebt. Nach der friedlichen Befreiung Tibets kamen Literatur- und Kunstschaffende aller Nationalitäten dorthin, um im Volk die hervorragende nationale Literatur und Kunst zu erschließen und zu pflegen. Auf dieser Basis schufen sie zahlreiche Werke in Form von Gedichten, Romanen, Gesang und Tanz, bildender Kunst, Film und Fotografie und brachten damit in das noch fast abgeschlossene und dem Feudalsystem gerade erst entkommene Tibet neue literarischkünstlerische Ideen. Zahlreiche tibetische Intellektuelle schlossen sich dem literatur- und kunstschaffenden Kontingent an, und so wurden viele Werke mit ausgeprägten nationalen Charakteristika geschaffen.

 

Zu den nach der demokratischen Reform entstandenen ausgezeichneten literarisch-künstlerischen Werken gehören Lieder wie „Auf dem Goldenen Berg Beijings“, „Befreite Leibeigene singen froh“ und „Bummel in der neuen Stadt“, der Tanz „Lied beim Wäschewaschen“, das Musik und Tanzepos „Befreite Leibeigene wollen zur Sonne“, das Theaterstück „Prinzessin Wencheng“ und der Film „Leibeigene“, die im In- und Ausland Beachtung fanden.

 

In den vergangenen 50 Jahren haben die Literatur- und Kunstschaffenden Tibets insgesamt 569 literarisch-künstlerische Werke im Stil der eigenen Nationalität geschaffen. Sie gewannen 51 Preise auf Landesebene und 121 Preise auf Gebietsebene. Allein in den letzten fünf Jahren haben Profi-Ensembles des automonen Gebiets 4887 Aufführungen bestritten; die Zahl der Zuschauer belief sich auf 2,79 Millionen. Mehr als 400 Aufführungen pro Jahr werden für die Einwohner an der Basis veranstaltet.

 

Das Kultur- und Kunstwesen des Volkes entwickelte sich dynamisch. Nach 1959 gründeten befreite Leibeigene in den meisten Städten und Gemeinden Amateurgruppen für Gesang, Tanz und Theater. Sie stellten viele populäre Programme zusammen, die das Leben der befreiten Leibeigenen widerspiegelten, und führten sie auf. 1963 fand das erste Massenkulturfestival des autonomen Gebiets statt. Danach wurde eine Delegation gebildet und zur Teilnahme an den Amateurfestspielen der nationalen Minderheiten des Landes nach Beijing geschickt, wo man durch viele gute Programme mit neuen Inhalten und deutlichen nationalen Eigenschaften das neue Niveau des künstlerischen Schaffens des Volkes zeigte. Mit Unterstützung der zentralen Volksregierung und der Nachbarprovinzen und -städte wurde ferner der Bau kultureller Einrichtungen in Tibet deutlich verstärkt. In den vergangenen fünf Jahren beliefen sich die Investitionen zu diesem Zweck auf 140,46 Millionen Yuan.

 

Bis heute wurden in Tibet mehr als 400 Klubs für künstlerische Aktivitäten sowie Mehrzweckkulturhallen und Kulturstationen eingerichtet. In diesen kulturellen Stätten kann man umfangreiche und vielfältige unterhaltende und sportliche Tätigkeiten ausüben. Die Tibetische Bibliothek wurde im Juli 1996 eröffnet. Sie wurde bis heute von über 100 000 tibetischen Lesern besucht. Schließlich gibt es in Tibet noch 17 mobile Profi-Ensembles auf Kreisebene sowie 160 Ensembles von Amateuren für Tanz und Gesang sowie tibetisches Theater. So gibt es das ganze Jahr hindurch in den Agrar- und Viehzuchtgebieten Aufführungen, die bei der Bevölkerung sehr beliebt sind. Einige der Programme wurden sogar mit Preisen bei nationalen Festspielen und Festspielen des autonomen Gebiets bedacht. Auch Bezirke, Städte und Kreise veranstalten eigene Festspiele. Das alles hat das kulturelle Leben enorm bereichert. Seit Jahren werden beim Shoton-Fest, einem traditionellen Fest in Tibet, Aufführungen wie Tibet-Theater, Gesang und Tanz veranstaltet. Außerdem gibt es vielfältige traditionelle Kulturprogramme, an denen die Bevölkerung aktiv teilnimmt.

 

Offiziell zu Stätten der Volkskunst ernannt wurden der Kreis Lhozhag (für Tibet-Theater und Gesang und Tanz), der Kreis Biru (für volkstümliche bildende Kunst), die Gemeinde Chenggo des Kreises Gonggar (für Volkstanz), die Gemeinde Jiongriwuqi des Kreises Ngamring (für Tibet-Theater) sowie der Kreis Gyangze (für Teppiche im tibetischen Stil). Der Staat investierte 2,6 Millionen Yuan, um im Kreis Doilungdeqen einen Kulturgarten für Bauernkinder anzulegen. 1996 wurde das Tibetische Kinderensemble gegründet, das seither zweimal nach Beijing reiste und sogar 1998 am Internationalen Kinderkunstfestival in den USA teilnahm und dabei sehr erfolgreich war. Zwischen 1995 und 1999 schickte das Autonome Gebiet Tibet insgesamt 40 Künstlergruppen mit 360 Teilnehmern, darunter auch Ensembels von Amateuren, in mehr als 20 Länder und Gebiete von fünf Kontinenten zu Aufführungen, Ausstellungen und zur Pflege kulturellen Austauschs. Diese „Botschafter der tibetischen Kultur“ wurden überall begeistert aufgenommen.

 

V. Die Tibetologie wird umfassend entwickelt und die tibetische Medizin und Pharmazie glänzen erneut

 

Im alten Tibet gab es keine wirklichen Forschungen in der Tibetologie. Inzwischen ist die Tibetologie eine weltweit anerkannte akademische Forschungsrichtung geworden und findet hohe Beachtung in internationalen akademischen Kreisen. Sie widmet sich längst nicht mehr nur den sog. „Fünf Oberen und Unteren Wissenschaften “ (Sprache und Schrift, Technik und Mathematik, Medizin, Logik und buddhistische Philosophie), sondern befaßt sich mit den meisten Zweigen der Wissenschaft wie Politik, Wirtschaft, Geschichte, Literatur und Kunst, Religion, Philosophie, Sprachen und Schriften, Geographie, Erziehung, Archäologie, Folklore, tibetische Medizin und Pharmazie, Astronomie und Kalenderwissenschaft sowie Landwirtschaft, Viehzucht und Umweltschutz. Sie bildet ein umfangreiches System zur allseitigen Forschung in der Gesellschaft Tibets. Heute gibt es in China mehr als 50 tibetologische Institutionen mit über 1000 Experten und Wissenschaftlern.

 

Die wissenschaftliche Arbeit in der Tibetologie begann in Tibet nach der friedlichen Befreiung. In den 70er Jahren wurden in Tibet mehrere Forschungsinstitutionen mit der Tibetischen Akademie für Sozialwissenschaften an der Spitze gegründet. In den letzten Jahren hat die Tibetische Akademie für Sozialwissenschaften die Zusammenstellung einiger wichtiger Fachwerke wie Die Geschichte Tibets im Überblick (in Tibetisch und Chinesisch), Tibets Geschichte der Politik von Xagaba, Die Verkehrsgeschichte Tibets in der alten und modernen Zeit (chinesisch), Die Vernunft in der tibetischen Philosophie (tibetisch), das Wörterbuch über die tibetische Philosophie (tibetisch) und der Katalog der tibetologischen Dokumente vollendet. Damit wurden große Fortschritte in der tibetologischen Forschung erzielt. Die Zeitschrift Studien zu Tibet gehört heute zu den 100 besten chinesischsprachigen Zeitschriften für Sozialwissenschaft.

 

In der jüngsten Vergangenheit haben die Sozialwissenschaften Tibets eine beispiellose Entwicklung erfahren. Viele erfolgreiche Wissenschaftler sind aufgetreten, zahlreiche Forschungsergebnisse haben Lücken in den verschiedenen Forschungsbereichen der Tibetologie geschlossen, wichtige Beiträge zur Auffindung, Zusammenstellung und Rettung des wertvollen kulturhistorischen Erbes der tibetischen Nationalität, zur Fortsetzung und Entwicklung der hervorragenden traditionellen tibetischen Kultur und zur Bereicherung der traditionellen Kulturschatzkammer der chinesischen Nation wurden geleistet.

 

Große Erfolge wurden auch erzielt hinsichtlich der Sammlung und Zusammenstellung tibetologischer Dokumente in Chinesisch. Bis heute sind mehr als 200 Bände in einer Auflage von ca. fünf Millionen Exemplaren herausgegeben worden. Diese Dokumente haben einen bedeutenden Einfluß im In- und Ausland ausgeübt und zuverlässiges historisches Material für die Forschung in der Tibetologie und zur Geschichte der chinesisch-tibetischen Beziehungen, insbesondere der Beziehungen zwischen der Zentralregierung Chinas und der lokalen Regierung Tibets, bereitgestellt. Gleichzeitig betrieben die Tibetologen einen weitgehenden akademischen Austausch mit dem Ausland. Sie empfingen insgesamt 200 ausländische Experten und Gelehrte und werden auch selbst oft ins Ausland zu Gastvorträgen geschickt.

 

Die tibetische Medizin und Pharmazie nehmen eine wichtige Stellung in der traditionellen Kultur der tibetischen Nationalität ein. In der medizinischen Schatzkammer der chinesischen Nation hat sie einen hervorragenden Platz. Jedoch gab es vor 1959 in ganz Tibet nur zwei medizinische Institutionen, nämlich das „Mantsikhang“ (Institut für Tibetische Medizin und Astronomie) und das „Chakpori Zhopanling“ (Institut des Bergs des Medizinkönigs zur Rettung der Lebewesen), die für ambulante Behandlungen eine Fläche von nur 500 m² einnahmen, über sehr primitive Einrichtungen verfügten und weniger als 50 Beschäftigte hatten. Täglich wurden sie von 30 bis 50 Patienten besucht, die meistens Aristokraten, Lehnsherren und hochrangige Lamas waren.

 

In den 40 Jahren seit der demokratischen Reform in Tibet überwies der Staat mehr als 800 Millionen Yuan, um die tibetische Medizin und Pharmazie zu entwickeln. Heute gibt es in Tibet 14 Institutionen für tibetische Medizin sowie entsprechende Abteilungen für tibetische Medizin bei mehr als 60 Kreiskrankenhäusern. 1959 gab es in Tibet nur 434 Personen, die sich mit tibetischer Medizin und Pharmazie beschäftigten, 1999 waren es 1071. Davon waren 61 Chef- oder Unterchefärzte, 166 Oberärzte und 844 Fach- oder Allgemeinärzte und Heilpraktiker. Das Hospital des Autonomen Gebiets Tibet, das sich basierend auf der Fusion von der Mantsikhang und der Chakpori Zhopanling entwickelte, hat eine Baufläche von über hunderttausend Quadratmetern und beschäftigt 438 Personen, davon sind 290 ärztliches Personal. Es verfügt über 250 Krankenbetten und wird jährlich von rund 230 000 Patienten besucht. Die tibetischen Einwohner genießen dort kostenfreie Behandlung. Das Krankenhaus besteht aus einer Ambulanz und einer Station, einer pharmazeutischen Fabrik und einem Forschungsinstitut für tibetische Medizin sowie einem Forschungsinstitut für Astronomie und Kalenderwissenschaft. Hier gibt es Abteilungen für innere Medizin, für Chirurgie, für Gynäkologie und Geburtshilfe, für Tumorkrankheiten, für Darm- und Magenkrankheiten und für Kinderkrankheiten. Außerdem sind mehr als 20 Fachambulatorien wie für Vorbeugung und Gesundheitsschutz, für Mundhöhlenerkrankungen, für Augenerkrankungen und für Chirurgie in tibetischer Medizin sowie mit moderner medizinischer Technik ausgestattete Abteilungen wie Röntgenabteilung, Laboratorium, Abteilung für B-Ultraschalldiagnose, für Elektrokardiogramm und für Gastroskopie eingerichtet. Neben Krankheitsbehandlungen mit Methoden der traditionellen tibetischen Medizin werden Krankheiten auch durch Methoden in Verbindung der europäischen Medizin mit der tibetischen Medizin behandelt. Dadurch wurden die Diagnose- und Behandlungsmethoden bereichert und weiterentwickelt.

 

Große Beachtung erfahren die Forschung und Erziehung in der tibetischen Medizin und Pharmazie. Alle Institutionen der tibetischen Medizin betreiben aktiv Forschungen in der tibetischen Medizin und Pharmazie, und bisher wurden fast hundert Dokumente und Fachwerke über die tibetische Medizin gesammelt. Auf der Basis der fortgesetzten Praxis, Erfahrung und Theorie von tibetischen Medizinern der älteren Generation wurden neue Erfolge erzielt hinsichtlich der Geschichte der tibetischen Medizin, der Dokumente über die tibetische Medizin und Pharmazie, der Theorie der tibetischen Medizin, der medizinischen Moral und der tibetischen Kräutermedizin. 32 Fachwerke, darunter Vier Medizinische Klassiker (tibetisch und chinesisch), Blaue Glasur, Sämtliche Wandkarten für die Vier Medizinischen Klassiker, Diagnostik der tibetischen Medizin, Zusammenstellung neuer Präparate der tibetischen Medizin und Biographien berühmter tibetischer Mediziner wurden herausgegeben. In den zehn Jahren seit seiner Gründung hat das Institut für Tibetische Medizin 615 Fachleute in der tibetischen Medizin und Pharmazie ausgebildet. Die tibetischen Arzneimittel werden heute nach normorientierter, standardisierter und wissenschaftlicher Methode hergestellt. In Tibet gibt es heute mehr als zehn pharmazeutische Fabriken. Die Pharmazeutische Fabrik des Autonomen Gebiets Tibet verfügt über zwei Fertigungsstraßen und kann 110 Sorten von Arzneimitteln produzieren, deren Jahresproduktionswert derzeit 46,1 Millionen Yuan zählt.

 

Die tibetische Medizin und Pharmazie finden mehr und mehr Beachtung in internationalen medizinischen Kreisen. Jedes Jahr kommen viele ausländische Experten und Wissenschaftler zu Studien der tibetischen Medizin und Pharmazie nach Tibet. Einige Länder wie die USA, England und Deutschland haben sogar die tibetische Medizin und Pharmazie eingeführt, und manche Länder schicken Studenten nach Tibet, um dort die tibetische Medizin und Pharmazie zu studieren. Mit der weiteren Entwicklung dürfte die tibetische Medizin und Pharmazie als ein alter Wissenschaftszweig ihre Vitalität noch besser entfalten und eine noch wichtigere Rolle dafür spielen, das Gesundheitsniveau der tibetischen Bevölkerung zu erhöhen und zum Wohl der Menschheit beizutragen.

 

VI. Das Bildungswesen des Volkes hat einen historischen Aufschwung genommen

 

Im alten Tibet war die Erziehung ein Monopol der Klöster. Es gab außer einigen wenigen von den Behörden betriebenen Schulen keine Schule im modernen Sinne. Die Schüler waren meistens Kinder der Aristokraten, die Sklaven hatten gar keine Chance, ausgebildet zu werden. 95% der Sklaven waren Analphabeten. 1937 gründete das Ministerium für Bildungswesen der Kuomintang-Regierung eine staatliche Grundschule in Lhasa. Die Zahl der Schüler erreichte sogar in der Blütezeit der Schule nicht einmal 300. Im Laufe der zehnjährigen Existenz der Schule schafften nur zwölf Schüler den Schulabschluß.

 

Seit der Einführung der demokratischen Reform in Tibet betrachtet die Volksregierung des Autonomen Gebiets die Entwicklung des Bildungswesens der Bevölkerung und die Erhöhung der wissenschaftlichen und kulturellen Qualität der Tibeter als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Um das Recht der Bevölkerung auf Bildung gesetzmäßig zu gewährleisten, erließ die Behörde des Autonomen Gebiets Tibet 1994 die „Durchführungsmethode der Schulpflicht im Autonomen Gebiet Tibet“ und den „Plan über die Schulpflicht im Autonomen Gebiet Tibet“ und setzte sie in die Tat um. Gleichzeitig praktizierte sie hinsichtlich der Investitionen ins Bildungswesen eine bevorzugte Politik, wobei deutlich festgelegt wurde, daß der Anteil für das Bildungswesen im jährlichen Haushalts- und Investbauplan jeweils 17% ausmachen soll. Zwischen 1990 und 1995 wurden von den Haushaltsausgaben des Autonomen Gebiets insgesamt 1,03 Milliarden Yuan in das Bildungswesen investiert. Inzwischen hat ein relativ vollständiges Bildungssystem in Tibet Gestalt angenommen. Es beschäftigt 22 279 Lehrer und sonstige Mitarbeiter, davon sind 19 276 hauptberufliche Lehrer. Mehr als 80% der Lehrer sind Angehörige nationaler Minderheiten, vor allem Tibeter.

 

Das Bildungswesen in Tibet entwickelt sich rasch. Einer Statistik zufolge verfügt Tibet zur Zeit über 101 Mittelschulen, 820 Grundschulen und 3033 weitere Lehranstalten mit insgesamt 354 644 Schülern. Davon sind 34 756 Schüler in der Unterstufe und 9451 Schüler in der Oberstufe der Mittelschulen. 83,4% der schulpflichtigen Kinder in Tibet sind eingeschult. Praktiziert werden eine dreijährige Schulpflicht in den Viehzuchtgebieten, eine sechsjährige Schulpflicht in den Agrargebieten und eine neunjährige Schulpflicht in den wichtigen Städten und Gemeinden. Es gibt ferner 16 Fachschulen. Die Zahl der Schüler, die in den Fachschulen inner- oder außerhalb des Autonomen Gebiets lernen, beträgt 8161. Mit der Entwicklung der Erwachsenenbildung wurde der Anteil der Analphabenten unter den jüngeren und mitteljährigen Menschen in Tibet von 95% vor dem Jahr 1951 auf 42% 1999 verringert. Auch die Hochschulbildung hat eine rasche Entwicklung erlebt. Nacheinander wurden die Tibetische Nationalitäten-Hochschule, die Hochschule für Agrar- und Viehzuchtwissenschaft, die Tibet-Universität und die Hochschule für tibetische Medizin gegründet, in denen zur Zeit 5249 Studenten studieren.

 

Tibet hat ferner mehr als 20 000 Hochschul- und 23 000 Fachschulabsolventen sowie eine Reihe tibetischer Doktoren und Magister ausgebildet. Außerdem verfügt es heute über eine große Anzahl tibetischer Fachkräfte wie Wissenschaftler, Ingenieure, Professoren, Ärzte, Schriftsteller und Künstler.

 

VII. Presse- und Verlagswesen, Rundfunk, Film und Fernsehen werden rasch entwickelt

 

Vor der friedlichen Befreiung gab es in Tibet kein eigentliches Presse- und Verlagswesen. Es gab lediglich einige Werkstätten für Druck mit Holzdruckstöcken, die fast ausschließlich buddhistische Sutren vervielfältigten. Nach der friedlichen Befreiung entwickelte sich das Presse- und Verlagswesen in Tibet praktisch aus dem Nichts. Besonders in den letzten 20 Jahren erschienen in rascher Folge Bücher, Zeitungen und Zeitschriften sowie Audio-Video-Produkte. Im großen und ganzen hat sich nun im Autonomen Gebiet Tibet ein Presse- und Verlagssystem herausgebildet.

 

Das Verlagswesen in Tibet arbeitet erfolgreich. Vier Verlage und eine Fabrik für Audio-Video-Produkte wurden gegründet, und in den fast 30 Jahren seit der Gründung des Volksverlags Tibet wurden insgesamt 6600 Bücher herausgegeben und über 78,9 Millionen Exemplare verkauft. 80% der Bücher sind in tibetischer Sprache erschienen. Rund 100 Bücher haben Preise auf Landes- oder Gebietsebene gewonnen. Gegenwärtig gibt es in Tibet einschließlich der Xinhua-Druckerei Tibet 25 verschiedene Druckereien, in die moderne Technologien wie elektronischer Fotosatz, Offsetdruck, elektronischer Farbauszug und Farbdruck eingeführt wurden.

 

Vor der friedlichen Befreiung gab es in Tibet so gut wie kein Büchervertriebswesen. Heute gibt es 67 Xinhua-Buchhandlungen, die ein Vertriebsnetz aufgebaut haben, das fast das ganze Autonome Gebiet erfaßt und in den letzten 20 Jahren die tibetischen Leser mit über 90 Millionen Büchern in mehr als 8000 Titeln versorgt hat.

 

Kontinuierlich entwickelt sich auch die Publikation von Zeitungen und Zeitschriften. Seit der Gründung der Tageszeitung Tibet 1956 und der Zeitschrift Tibetische Literatur 1977 hat sich die Anzahl der Zeitungen und Zeitschriften, die in Tibet erscheinen, bereits auf 52 vermehrt.

 

Rundfunk, Film und Fernsehen entwickelten sich auch erst nach der friedlichen Befreiung. 1953 wurde eine Drahtfunkstation in Lhasa eingerichtet, und erst 1958 begann man mit Funksendungen. 1959 wurde die Volksrundfunkstation Tibet gegründet. 1978 wurden Schwarzweiß-Fernsehprogramme und 1979 Farbfernsehprogramme probeweise gesendet. Das Fernsehen Tibet wurde 1985 gegründet, während das Zentrum für die Herstellung von Rundfunk- und Fernsehprogrammen 1995 in Betrieb genommen wurde. In den letzten über 40 Jahren haben die Zentralregierung und die Regierung des Autonomen Gebiets 530 Millionen Yuan in den Aufbau von Rundfunk, Film und Fernsehen in Tibet investiert. Darüber hinaus haben die Zentralregierung und die Regierungen anderer Provinzen und Städte als Unterstützung eine große Menge von Geräten und sonstigen Materialien sowie über 200 Techniker und Funktionäre in fünf Gruppen nach Tibet geschickt und eine Reihe von qualifizierten Fachleuten für Tibet herangebildet. Zur Zeit gibt es in Tibet zwei Rundfunkstationen, 36 Mittel- und Kurzwellensender sowie Übertragungsstationen, 45 Frequenzmodulationsstationen auf Kreisebene, zwei Fernsehsender, 354 Fernsehübertragungsstationen und 1475 Satellitenbodenstationen. 65% der tibetischen Bevölkerung können Rundfunksendungen und 55% Fernsehprogramme empfangen. In Lhasa und Umgebung sind 75% der Einwohner ans Fernsehen angeschlossen.

 

Filme gehören zu den wichtigen Kulturveranstaltungen in den weiten Agrar- und Viehzuchtgebieten Tibets. Zur Zeit gibt es in Tibet 436 Kinos, 650 Filmvorführteams und über 9300 Filmvorführstellen. Jährlich werden mehr als 130 000 Filmvorführungen veranstaltet, die Zahl der Zuschauer betrug im letzten Jahr 28,5 Millionen. Im Durchschnitt kann jeder Einwohner in den Agrar- und Viehzuchtgebieten pro Monat einmal einen Film genießen. Die Filme werden in tibetischer Sprache vorgeführt. Rundfunk, Film und Fernsehen sind bereits ein unentbehrlicher Inhalt im Kulturleben aller Nationalitäten in Tibet geworden

 

Schlußwort

 

Auf der Basis der Pflege guter traditioneller Kultur und der Erhaltung der nationalen kulturellen Prägung hat die tibetische Kultur in den letzten über 40 Jahren eine enorme Entwicklung erlebt. Diese Entwicklung zeigt sich deutlich in folgenden Aspekten:

 

Erstens sind die Gestalter und Nutznießer der tibetischen Kultur, die einst von nur wenigen Leibeigenenhaltern monopolisiert wurde, jetzt die ganze Bevölkerung in Tibet. Sie pflegt, entwickelt und genießt die tibetische Kultur gemeinsam.

 

Zweitens hat der Inhalt der tibetischen Kultur eine tiefgreifende Wandlung erfahren. Manche mit der feudalen Leibeigenschaft zusammenhängende, verfallene und rückständige Dinge wurden mit dem Fortschritt und der Entwicklung der Gesellschaft über Bord geworfen. Der religiöse Glaube der tibetischen Bevölkerung wird voll respektiert und geschützt; die gute traditionelle tibetische Kultur wird angemessen gepflegt und weiter entfaltet, indem sie durch neue Inhalte, die das neue Leben des Volkes und die Entwicklung der Gesellschaft widerspiegeln, bereichert wird. Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form der tibetischen Kultur werden ständig entwickelt und verbreitet.

 

Drittens hat sich der Trend der tibetischen Kultur wesentlich geändert. Der verschlossene, stagnierende und sogar zurückgehende Zustand wurde beseitigt und statt dessen ein Trend zur Modernisierung, zur Öffnung nach außen und zur Entwicklung eingeleitet. Während die traditionelle Kultur weiter verbreitet wird, entwickeln sich das Bildungswesen unter Berücksichtigung der modernen Wissenschaft und Technik sowie das Presse- und Verlagswesen in raschem Tempo wie nie zu vor.

 

Es ist darüber nachzudenken, warum die Dalai-Lama-Clique heute, wo die tibetische Kultur ständig Fortschritte macht, überall in der Welt verbreitet, daß die tibetische Kultur vernichtet würde, und damit, unterstützt von manchen feindlichen Kräften in der Welt, ununterbrochen chinafeindliche Meinungsmache betreibt. Die Geschichte von mehr als 40 Jahren seit der demokratischen Reform in Tibet läßt deutlich erkennen, daß die sogenannte „Vernichtung der Kultur“, behauptet von der Dalai-Lama-Clique, ganz im Gegenteil eine wirkliche Entwicklung der tibetischen Kultur ist.

 

Erstens: Die Kultur gehört zur sozialen Ideologie. Sie verändert und entwickelt sich mit der Veränderung der ökonomischen Basis der Gesellschaft und der anderen Bestandteile des Überbaus. Die Entstehung und Entwicklung der modernen westlichen Kultur war nicht getrennt von der bürgerlichen Revolution in der Neuzeit Europas, die die feudale Leibeigenschaft und das theokratische und diktatorische System des Mittelalters vernichtete, und auch nicht getrennt von der danach folgenden Reformation und der enormen ideologischen und kulturellen Umgestaltung. Ähnlich wurde die Entwicklung der Kultur Tibets seit über 40 Jahren unter den Bedingungen der enormen gesellschaftlichen Umgestaltung verwirklicht, in der die theokratische und feudale Leibeigenschaft, die noch dunkler als die im Mittelalter Europas war, beseitigt wurde. Mit der Beseitigung der feudalen Leibeigenschaft wurden diese mit dem alten System zusammenhängenden Eigenschaften, die dadurch gekennzeichnet waren, daß die tibetische Kultur nur von wenigen Sklavenhaltern monopolisiert wurde, und auch die alte kulturelle Autokratie, bei der die Religion das politische Leben der ganzen Gesellschaft bestimmte, vollends vernichtet. Das ist ein zwangsläufiges Ergebnis der Entwicklung der tibetischen Geschichte und Kultur. Denn ohne diese „Vernichtung“ hätten die Gesellschaft und die Kultur Tibets nicht befreit und nicht entwickelt werden können. Es wäre auch unmöglich gewesen, daß die tibetische Bevölkerung das Recht bekommt, die Ergebnisse der Entwicklung der tibetischen Kultur zu genießen, daß der religiöse Glaube der tibetischen Bevölkerung ihre private Sache wurde, und daß sie wirkliche Freiheit gewonnen hat. Diese „Vernichtung“ ist jedoch für die Dalai-Lama-Clique, Hauptrepräsentantin der feudalen Leibeigenschaft, tödlich und bedeutet die Vernichtung ihrer Herrschaft über die Kultur. Es ist deswegen auch nicht merkwürdig, daß sie laut propagiert, „die traditionelle Kultur Tibets wurde vernichtet“.

 

Zweitens: Die Entwicklung einer Kultur ist seit jeher nicht unabhängig. Sie muß mit den epochalen Fortschritten und der gesellschaftlichen Entwicklung ununterbrochen neue Inhalte und neue Formen annehmen und sich ständig durch Ineinanderverschmelzen und Übernahme anderer Kultur ernähren und bereichern. Die 40jährige Entwicklung der tibetischen Kultur wurde gerade in einer Epoche, in der die Gesellschaft Tibets allmählich die Unwissenheit und Rückständigkeit loswurde und der Reform und Öffnung sowie der Modernisierung entgegengeht, und in einem Prozeß, in dem sie sich mit der modernen Zivilisation, einschließlich der westlichen Zivilisation, verbindet, verwirklicht. Während sich die Produktions- und Lebensweise in Tibet wandeln, werden sich auch die Denkweise und die Vorstellungen der Bevölkerung ändern. In diesem Prozeß wird eine neue, für das moderne Leben notwendige Kultur wie moderne wissenschaftliche und technische Bildung, Presse und Kommunikationswesen entwickelt. Gute kulturelle Traditionen mit tibetischer Prägung werden entfaltet und verbreitet, während manche rückständige Dinge der traditionellen Kultur, die der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Leben der Bevölkerung nicht mehr entsprechen, allmählich eliminiert werden. Dies ist ein dem Entwicklungsgesetz der Kultur entsprechendes Phänomen und garantiert, daß die tibetische Kultur sich der neuen Lage entsprechend ständig entwickelt. Die Entwicklung der tibetischen Kultur und ihre Bereicherung durch einen neuen zeitgenössischen Inhalt als eine „Vernichtung der tibetischen Kultur“ zu tadeln, ist im Grunde genommen eine Aufforderung an die tibetische Bevölkerung, ihre Lebensweise und kulturelle Wertvorstellung wie unter der alttibetischen feudalen Leibeigenschaft beizubehalten. Das aber läuft der fortschrittlichen Zeitströmung und den Grundinteressen der tibetischen Bevölkerung zuwider und ist total absurd.

 

Die Menschheit ist bereits in ein neues Jahrtausend getreten. Die Globalisierung der Wirtschaft und die Herausbildung einer Informationsgesellschaft entwickeln sich rasch, wodurch sich das materielle und kulturelle Leben der Menschen Tag für Tag ändert. Mit der Vertiefung der Reform und der Öffnung sowie der Modernisierung und insbesondere mit der Durchsetzung der Erschließungsstrategie in Westchina wird sich Tibet der Welt mit einem neuen Antlitz präsentieren. Die tibetische Kultur wird während dieses Prozesses eine noch größere Entwicklung erleben.

 

 

 

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