Thema:
Startseite > Kommentar

Tibet in den Augen eines Tibeters

Datum: 12.01.2018,10:15:37 Quelle:China Tibet Online

Hinsichtlich Tibet meinen manche Leute, es sei mysteriös und komme dem Paradies gleich. Jedoch gibt es eine Handvoll nostalgischer Leute, die der Auffassung sind, dass Veränderung Vernichtung bedeute.

Wensang Jiejia ist ein junger Tibeter, der in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts geboren wurde. Wie ist Tibet in seinen Augen?

Erstens ist Tibet nicht mysteriös und auch kein Paradies. 

„Ich bin der Meinung, dass Tibet eine wahre irdische Welt ist. Die dortigen Menschen haben wie alle anderen mit dem tatsächlichen Leben umzugehen. Sie alle können froh, wütend, traurig und glücklichsein. Sie alle sehnen sich nach einem guten Leben und kämpfen dafür. Wie alle andere Regionen hat Tibet eine tiefe, historische, kulturelle Grundlage. Früher haben sich ausländische Spione eingeschlichen. Des Weiteren sind Forscher nach Tibet gekommen und haben daraufhin Reiseberichte und Geschichten geschrieben. Heutzutage gibt es Angestellte, die behaupten, Kunst und Literatur zu lieben. Diese kommen nach Tibet und schreiben eine Reihe von Essays. Jedoch können die beiden Gruppen subjektive Vorstellungen und Vorurteile nicht vermeiden. Überdies ist es unvermeidbar, dass die beiden Gruppen absichtlich die Dinge übertreiben oder herunterspielen, um Zielgruppen anzulocken. Im Großen und Ganzen sind sie alle zu oberflächlich. Sie alle versuchen absichtlich oder unabsichtlich, weiterhin Tibet zu dämonisieren und die dortige Lage zu übertreiben. Dies verschafft denjenigen, die noch nie in Tibet waren, einen falschen Eindruck und führt sie gar irre.“

Bezüglich dieser Frage meint Professor Weirong Shen von der Tsinghua-Universität: „Derzeit wird Tibet nach und nach von manchen Leuten als so genanntes reines Land instrumentalisiert, wo sie ihren Traum aufbewahren. Der tibetische Buddhismus wird ebenfalls als wundersames Mittel beschrieben, das alle Krankheiten heilen kann. Tibet wird sogar zum Symbol einer Utopie, die in der imperialistischen Zeit des Westens geprägt worden ist, also Shangri-La gemachtwurde. Dies hindert uns zweifelsohne daran, ein realistisches Verständnis über Tibet und die tibetische Kultur zu bekommen. Des Weiteren bereitet es uns beim Aufbau des neuen Tibets und des Schutzes Tibets neue Schwierigkeiten.

Zweitens ist das heutige Tibet das realistische Tibet.

Natürlich hat jede Volksgruppe eigene Traditionen und kulturelles Erbe. Diese enthalten den Wert und die historische Kultur einer Volksgruppe. Aber es gibt keine einzige Volksgruppe, die sich noch nie geändert hat. Nur wenn man sich dem Zeitalter anpasst und den Entwicklungsgesetzmäßigkeiten der menschlichen Gesellschaft fügt, kann man überleben. So verhält es sich auch mit den Tibetern. Auf der Grundlage, dass Traditionen vererbt und respektiert werden, muss sich etwas ändern. Dies ist notwendig.

In dieser Hinsicht möchte ich gern über mein eigenes Erlebnis berichten. In meiner Heimat gibt es seit einigen Jahren viele junge Leute, die sich in Fotografie verliebt haben. Unter meinen Freunden gibt es ebenfalls manche dieser Art. Einmal hat einer meiner Freunde bei Momente seiner Handyapp WeChat ein Foto gepostet. Auf ihr war ein gütiger Seniorzu sehen, der ein etwas altes Schaffellgewand anhatte. Sein Oberkörper war frei. Das Bild hat er mit dem Text versehen: „Ein wahrer Tibeter.“ Später haben wir uns gemeinsam beim Teetrinken über das Foto unterhalten. Da sagte ich ihm, dass sein Foto gut geschossen worden sei, wobei sein Text für mich etwas unverständlich sei. Warum muss ein Tibeter bei warmem Wetter so dicke Kleidung anhaben und dabei ein schmuddeliges Aussehen mit einem ungewaschenen Gesicht und Haar haben? Sich zu pflegen und das Minimale an Anstand zu halten, müssen doch eine gemeinsame Tendenz sein, die die ganze Menschheit hat. Wie es früher war, konnte man nicht mehr ändern. Da gab es Einschränkungen vieler Bereiche des Lebens. Heutzutage braucht man nicht mehr so zu bleiben. Zumindest sind nur ganz wenige Tibeter, die so sind, unter den Zehntausenden von Tibetern, die heute hier sind (Es war gerade das Pferderennenfestival). Meine Meinung ist gegensätzlich zu deiner. Ich bin der Meinung, dass es angenehmer ist zu sehen, dass diejenigen, die heute hier anwesend sind, sich ordentlich kleiden. Diejenigen, die sich nicht allzu sehr von den anderen unterscheiden, sind wahre Tibeter. Das ist das Faktum. Wir können Zehntausende von Menschen übersehen und auf nur eine Person aufmerksam werden. Wie es heute in Tibet ist, so ist es im wahren Tibet.“

„Im Großen und Ganzen ist Tibet nicht so sehr speziell. Es ist kein außerirdisches Paradies und keine Utopie. Stattdessen ist es eine menschliche Welt, in der es sowohl die Grundbefürfnisse der Menschen als auch Poesie und Romantik gibt.

Quelle: Tibet.cn

(Editor: Daniel Yang)

Menschen

Mehr>>
Tibetischer Weihrauch zum neuen Jahr Wie die Ärztin Gu Haihui Tibet hilft Tsidrolma und ihr Lamm Qianhai: „Eisblumenpolizei zum Schutz von Sanjiangyuan“ Parkangestellte des Qinghaisees kümmern sich um überwinternde Wasservögel
12345
  

Auch interessant