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Die Dege Sutra-Druckerei – tibetische Kultur auf Druckblöcken

Datum: 19.02.2020, 14:06 Quelle: German.cri.cn

Der Kreis Dege befindet sich im tibetischen Autonomen Gebiet Ganzi in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Sein Name ist ein tibetisches Wort, das „Land der Wohltätigkeit“ bedeutet. Es entstammt den Verhaltensprinzipien des tibetischen Buddhismus. Die Dege Sutra-Druckerei befindet sich an dem am stärksten behüteten Ort des Kreises: im Gengqing-Tempel.

Die Druckerei wurde in der Qing-Dynastie, im Jahr 1729, von Chökyi Tenpa Tsering, dem zwölften Anführer und sechsten Dharma-Raja von Dege gebaut. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde sie in die Liste zum Schutz wichtiger Kulturdenkmäler auf Provinz- und Staatsebene aufgenommen.

Im Inneren des Gebäudes gibt es verschiedene Arten tibetischer Kulturschätze, einschließlich Druckblöcke, Skulpturen und Wandbilder. Die rund 290.000 Druckblöcke und -platten sind vor allem buddhistische Sutras, aber es gibt auch Blöcke über die tibetische Kultur, Geschichte, Medizin, Kunst sowie Astronomie, Arithmetik, Kalender und Kalligraphie. Rund 70 Prozent der antiken Bücher der tibetischen Kultur werden durch diese Druckblöcke in der Druckerei aufbewahrt. Damit ist die Dege Sutra-Druckerei neben der Sutra-Drukerei in Lahsa im Autonomen Gebiet Tibet und dem Lhapuleng-Druckhaus in der nordwestchinesischen Provinz Gansu eine der drei großen Sutra-Druckereien in den tibetischen Regionen in China.

Im Arbeitsbereich der Druckerei gibt es mehr als ein Dutzend Arbeiter, die die Sutras in Paaren drucken. Ein Arbeiter verteilt die Tinte auf dem Block, nimmt ein Blatt Papier und legt es auf den Block. Sein Partner druckt den Text anschließend mit einer Walze auf das Papier. Anschließend werden die Blätter an der Luft getrocknet, richtig eingeordnet, zurechtgeschnitten und am Ende das gesamte Buch gebunden. Jedes Arbeiter-Paar arbeitet täglich rund sechs Stunden und kann etwa 2.400 Seiten am Tag drucken. Alle Drucker wohnen in der Nähe und arbeiten auch freiwillig und kostenlos an der Drucklegung mit.

Seit dem Bau der Druckerei vor über 290 Jahren hält die Dege Sutra-Druckerei an der traditionellen Produktionsmethode fest. Die Herstellung der Druckblöcke besitzt zum Beispiel drei einfache Schritte: Die Verarbeitung der Rohstoffe, das Schreiben und das Schnitzen. Das Papier, das bei der Druckerei eingesetzt wird, besteht aus Wurzelhaaren eines giftigen Krauts namens Stellera Chamaejasme, auf Tibetisch „A Gyiao Ru Gyiao“. Mit diesem tradtionellem Rohstoff produziertes Papier ist zäh, farbecht, saugfähig und leicht zu lagern. Im Jahr 2006 wurde die traditionelle Drucktechnik der Dege Sutra-Druckerei in Chinas erste Liste des staatlich geschützten immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Die in der Dege Sutra-Druckerei gedruckten Werke sind nicht nur in den tibetischen Regionen in China weitverbreitet, sondern werden auch in vielen Museen und Forschungsinstitutionen aufbewahrt. Sie werden auch nach Indien, Nepal, Bhutan, Japan und in einige südostasiatische Länder und Regionen exportiert. Sogar in einigen berühmten Bibliotheken in Asien, Amerika und Europa werden wertvolle Drucke aus der Dege Sutra-Druckerei aufbewahrt.

Der Kreis Dege ist außerdem der Entstehungsort der Kangba-Kultur, einem der wichtigsten Zweige der tibetischen Kultur, der auch seine eigene Geschichte besitzt. Die Dege Sutra-Druckerei ist ein Zeuge dieses kulturellen Zweiges. Jeder Block, jedes Blatt Papier und jeder Tropfen Tinte ist ein Beweis für die reiche Geschichte Tibets und seiner Menschen.

Quelle: German.cri.cn

Redakteur: Yifei Sui

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