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Nomaden in Sanjiangyuan: Niederlegen der Rinderpeitsche und Tragen der Schützer-Uniform

Datum: 17.01.2020, 10:34 Quelle: China Tibet Online

Tsewang Dorje ist der Vizedirektor der Verwaltungs- und Schutzstation der Gemeinde Angsai der Zone der Quelle des Mekong des Staatsparks Sanjiangyuan. Seit vier Jahren lebt und arbeitet er in jedem Sommer für einen Monat am Kontrollpunkt (also der Station) und überwacht das Graben der Chinesischen Raupenpilze durch Nomaden. Hier ist der Kreis Zadoi des Autonomen Bezirks Yushu der Tibeter der Provinz Qinghai. Das Gebiet ist der Kern des Staatsparks Sanjiangyuan.

Das Netzwerk der modernen Telekommunikation stoppt hier ihre Schritte, denn Handys haben hier keinerlei Empfang. Der ganze Kreis lebt im Großen und Ganzen vom Graben der Chinesischen Raupenpilze und zum geringen Teil von der Viehwirtschaft. Außerdem ist keine Industrie vorhanden. Tsewang Dorje sagte, dass dies zum Schutz der Umwelt des Staatsparks sei.

Einst haben der Klimawandel und die unbewusste Zerstörung durch die Menschheit dazu geführt, dass das Öko-Gleichgewicht in Sanjiangyuan in einen Notstand geraten ist. Da ist der Boden freigelegt worden und die Wüstenbildung ist gravierend gewesen. Überdies sind die Wiesen auf dem Hochplateau voller Schäden gewesen. 2000 hat der Staat offiziell das chinaweit größte Naturschutzgebiet, das Naturschutzgebiet Sanjiangyuan.

Anweisungen zum Umweltschutz sind nacheinander von der Staatsebene an diesen Ort mit schlechtem Handyempfang und schlechten Verkehrsanbindungen verschickt worden. Für die Nomaden bedeutete es, dass sie allerlei industrielle Produktion einstellen, die Anzahl der behüteten Stück Vieh reduzieren und mit dem groß angelegten Graben der Chinesischen Raupenpilze aufhören müssen.

Das Zuhause von Baizhou Lamao ist in der Nähe der ersten Biegung im Kreis Zhiduo und liegt mehr als 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Außerhalb ihres Zuhauses sind Berge, die ihre Wiesen tragen. Einst hat sie hier Dutzende von Yaks gezüchtet und damit konnte sich ihre Familie selbst versorgen. Wenn die Yaks aufgewachsen waren, konnten sie verkauft werden. Daher führten sie ein angenehmes Leben. Vor vielen Jahren wurde das System zum Öko-Schutz aufgebaut. Um die Schäden an den Wiesen durch das Vieh zu verringern, konnte Baizhou Lamao nicht mehr so viel Vieh züchten. Daher hat sie die Yaks verkauft. Es gibt jetzt weniger Vieh. Dementsprechend gibt es weniger Butter, Fleisch und Käse. Dadurch steigen die Preise. Jedoch hat sie kein anderes Einkommen. Im Vergleich zu vorher wurde ihr Leben schwieriger. Ihre Kinder sind als Reaktion auf den staatlichen Aufruf zum Sitz der Gemeinderegierung umgezogen und wurden zu Menschen, die in Hochhäusern wohnen. Ihr Sohn wurde zum Straßenfeger und ihre Tochter ist arbeitslos, weil sie keinen passenden Job finden kann.

Die tibetischen Nomaden leben seit Generationen im Gebirge. Sie leben von der Viehwirtschaft. Sie versorgen sich selbst mit Fleisch und Milch. Nach dem Umzug an den Fuß der Berge ist das Problem, mit dem sie als Erstes konfrontiert sind, wie sie sich ernähren sollen. Mitarbeiter des Umweltschutzamtes der Provinz Qinghai sagten, dass sie gerade versuchten, sich ins neue Leben zu integrieren, aber dies nicht umgehend vollzogen werden könne.

Die Sippe von Tsewang Dorje ist früh aus dem Gebirge ausgezogen. Die Älteren denken mehr über die Bildung der Nachkommen über. Um sich ins neue Leben zu integrieren, haben sie ebenfalls eine lange Anpassungsphase durchgemacht. Sie versuchten, sich an den Lebensstil der Städter zu gewöhnen, Küchen und Klos zu benutzen und ein Handwerk zu erlernen, um mit eigenen Händen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Vor dem Start der Pilotreform des Staatsparks Sanjiangyuan hat der Staatsrat aus Respekt der traditionellen Lebenswesen der dortigen Nomaden verdeutlicht, dass keine Umsiedlung zum Umweltschutz durchgeführt wird, so dass sie bleiben und sich ansiedeln können. Jedoch tauchte das Problem mit dem Lebensunterhalt der Nomaden auf. Daraufhin wurden die Stellen „Öko-Verwalter“ zum Gemeinwohl im Staatspark eingerichtet. Sie können nicht nur das Einkommen der Nomaden steigern, sondern auch zur Verwaltung des Parks beitragen.

Anfangs hat die Gemeinde Angsai die Bewohner der Haushalte mit Armutsakten bevorzugt als Öko-Verwalter eingestellt. Seit einigen Jahren hat die Gemeinde dank der finanziellen Unterstützung des Staates realisiert, dass jeder Haushalt eine Stelle bekommt. Tsering Dorje sind als Vizedirektor der Verwaltungs- und Schutzstation der Gemeinde über 7000 Öko-Verwalter untergeordnet.

Die Rinderpeitsche niederzulegen, ist einfach, aber sich die Verwalteruniform anzuziehen, ist schwer. Eigentlich ist der Umweltschutz für die Tibeter ein Glaube, den sie von klein auf hegen. In ihrem Glauben muss man Ehrfurcht vor der Natur haben. Sie glauben daran, dass Berge Berggötter und Flüsse Flussgötter haben. Ihnen wird von Kindheit an beigebracht, dass Gebirge und Gewässer als eigenes Leben zu betrachten sind, im Gebirge kein Müll wegzuwerfen ist und der Natur kein Schaden zugefügt werden darf.

Heute sind der traditionelle Glaube und die wissenschaftliche Verwaltung miteinander zu kombinieren. Dies fördert Tsewang Dorje mit den meisten Kräften. Jedes Jahr organisiert er die Verwalter der Dörfer für eine 3-tägige Schulung. Die Inhalte umfassen die Vorschriften zur Verwaltung und dem Schutz des Staatsparks sowie dem Straßenverkehrssicherheitsgesetz. Er vermittelt den Verwaltern Kenntnisse zur Mülltrennung und erklärt ihnen die Norm der Wasserqualität. Er hat noch Trainer der Seuchenschutzstation eingeladen, damit Kenntnisse vermittelt werden können, wie man sich retten soll, wenn man mit wilden Tieren konfrontiert ist.

In der jährlichen Saison des Grabens Chinesischer Raupenpilze hat Tsewang Dorje das Meiste zu tun und die Verwalter sind ebenfalls am stärksten beschäftigt. Um ein exzessives Graben zu vermeiden, hat die Regierung strikt vorgeschrieben, dass die jährliche Zeit zum Graben vom 15. Mai bis zum 30. Juni dauert. Ferner ist das Gebiet des Grabens streng abgesteckt. Jedes Dorf bekommt eine Zone und Nomaden können nicht außerhalb der jeweils eigenen Zone graben. Auswärtige dürfen gar nicht graben.

In dieser Zeit muss Tsewang Dorje das Graben der Nomaden überwachen und dafür sorgen, dass sie vorschriftsmäßig Pilze graben, die Grenzen nicht überschreiten und kein exzessives Graben stattfindet. Das Graben der Pilze fügt der Natur keine großen Schäden zu, aber nach wie vor werden die Grabenden aufgefordert, nach dem Graben die Gruben wieder zuzuschütten, um Erosionen zu vermeiden. Die Grabenden halten sich den ganzen Tag lang auf den Bergen auf und die Behandlung ihrer Abfälle ist äußerst wichtig. In jeder Saison organisiert Tsewang Dorje die Verwalter, an Tagen, an denen die Nomaden keine Pilze graben, auf Bergen Abfälle zu sammeln.

Im März dieses Jahres ist ein Verwalter aber bei der Patrouille auf einen Braunbären gestoßen. Nachdem er von dem Bären verletzt worden war, ist er daran gestorben. Diese Hiobsbotschaft zerstörte seine Familie am Boden. Nachdem Tsewang Dorje die Nachricht erhalten hatte, war er ebenfalls sehr traurig. Er ist der Vizedirektor der Verwaltungs- und Schutzstation. Überdies ist er für die Versicherungsentschädigung der Verwalter zuständig. Nach einer Überprüfung des Falles hat die Versicherungsgesellschaft eine Entschädigung in Höhe von 300.000 Yuan (rund 39.076 Euro) ausgezahlt.

Der Vater des Verwalters ist schon über 60 Jahre alt. Nach dem Tode seines Sohnes hat er entschlossen die Arbeit seines Sohnes übernommen und wurde ebenfalls zu einem Schützer der Umwelt von Sanjiangyuan. Mal fragte jemand den Vater, ob er Unmut hätte. Er entgegnete: „Ich verstehe das. Das ist notwendig zum Umweltschutz.“

Tsewang Dorje sagte, dass 11 Verwalter seit dem letzten Jahr in unterschiedlichen Graden wundgekratzt wurden. Laut Vorschriften dürfen die Nomaden nicht als Rache wilde Tiere töten.

Letztes Jahr haben Leoparden die Haushalte von Nomaden überfallen. Das Vieh der meisten Nomaden hat Schäden erlitten. Bei einem Nomaden wurden 24 Rinder totgebissen. Nach den Marktpreisen hat er einen Schaden von nahezu 300.000 Yuan (etwa 39.076 Euro) erlitten. Diese Nomaden haben Beiträge der Versicherung der Konflikte zwischen Menschen und Tieren entrichtet. Das ist eine Stiftung, die das Naturschutzzentrum Shanshui und die Regierung des Kreises Zadoi gemeinsam gegründet haben. Sie dient zur Verringerung der Schäden der Nomaden bei solchen Konflikten und der Vermeidung der Tötung von Tieren durch Nomaden als Rache. Nach einer Kalkulation hat Tsewang Dorje festgestellt, dass für jedes Rind eine Entschädigung von 500 bis 1000 Yuan (rund 65 bis 130 Euro) auszuzahlen ist.

Zwar entsprachen solche Entschädigungen nur einem Zehntel der Marktpreise, aber das war schon das Maximum, das sich die lokale Regierung leisten konnte. Tsewang Dorje sagte: „Gäbe es mehr Kapital, würden wir auch höhere Entschädigungen gewähren.“

Tsewang Dorje fragte die Nomaden, ob sie Leoparden hassen. Sie erwiderten jedoch: „Nein, wir hassen sie nicht. Die Existenz der Nomaden zeigt die Effekte des Schutzes des Staatsparks Sanjiangyuan. Der Park hat unser Leben verbessert. Wir schützen die Tiere und bekommen Löhne. Wir entwickeln keinen Hass.“

Dieses Jahr versuchte Tsewang Dorje, mehr Versicherungsgesellschaften zu kontaktieren, um die Entschädigungen für Verwalter und Vieh zu erhöhen. Er wusste nicht, wie die Erhöhung ausfällt, aber er bemüht sich um jedes Wachstums, wie gering es auch sein mag.

Mitarbeiter des ständigen Komitees des Volkskongresses des Bezirks Yushu sagten, dass in Sanjiangyuan wilde Tiere, Menschen und Vieh einen Kreis bilden. Die wilden Tiere müssen überleben und die Menschen auch. Der Staatspark erkundet den Kreis, in dem Menschen und die Natur in Harmonie existieren.

Dieses Jahr wurde Yushu von einem Schneefall heimgesucht, der so stark war wie seit 60 Jahren nicht mehr. Wenn die Nomaden von Frost verletzte Tiere sahen, gaben sie die Milch für ihre Kinder den Tieren.

Die Nomaden in Sanjiangyuan haben das Zuhause und die Wirtschaft geopfert. Die schlichten Nomaden schämen sich, die Zwänge ihres Lebens zum Ausdruck zu bringen. Auf ihren Wangen, die wegen der Ultravioletteinstrahlung rot geworden sind, zeichnet sich nur ehrliches Lächeln ab. Die Mitarbeiter der Regierung sagten, dass Schwierigkeiten tatsächlich existieren, aber sich die Nomaden nicht beklagen. Sie sind der Meinung, dass es sich lohnt, weil sich die Umwelt verbessert hat.

(Redakteur: Daniel Yang)

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