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Die tibetische Tänzerin Namdon Peje

Datum: 20.08.2018, 09:12 Quelle: China Tibet Online

Die Tibeterinnen spielen in der tibetischen Tradition immer die Rolle als fleißige Arbeiterinnen, tugendhafte Hausfrauen und großartige Mütter. Sie kümmern sich um den Haushalt und treten selten in sozialen Aktivitäten auf. Mit dem stetigen Fortschritt und der Entwicklung der Gesellschaft erhöht sich jedoch die Stellung der Tibeterinnen rapide. Sie treten immer öfter als leitende Ingenieurinnen, Gelehrte, Beamte und Tänzerinnen in sozialen Aktivitäten auf. Heute sind die Tibeterinnen in mehreren sozialen Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Kultur aktiv.


Namdon Peje ist eine herausragende Tibeterin

Der Himmel über Lhasa färbt sich allmählich von blau zu rot und dann grauschwarz. Auf der Bühne mit der Kulisse eines grün bedeckten Berghangs und glänzendem Sternenhimmel am südlichen Ufer des Lhasa-Flusses wird bald eine seit mehr als 1300 Jahren verbreitete Geschichte aufgeführt. Auf der Bühne proben die Schauspieler noch. Vor der Bühne betrachtet eine Tibeterin mit einem Mikrofon in der Hand die Aufführung auf der Bühne. Ab und zu spielt sie mit eigenen Körperbewegungen vor. Sie spricht mal zum Handsprechfunkgerät und mal zum Mitarbeiter daneben, der etwas aufzeichnet. Positionen, Szenen, Beleuchtungen, Requisiten, Trachten, Tänze und Bewegungen… Es ist das sechste Jahr nach der Premiere des Dramas. Sie kennt jeden Aufzug des Dramas, beobachtet aber weiter die Darbietung der Schauspieler auf der Bühne und verpasst kein Detail. Ihr Name ist Namdon Peje, Choreografin der Klasse 1, Vize-Regisseurin und Kunstinspektorin des großen Dramas über die tibetische Kultur „Prinzessin Wen Cheng“. Sie war früher Tänzerin und ist heute Regisseurin, daher ist ihr klar: Details bestimmen Erfolg oder Misserfolg.

„Mein Interesse für das Tanzen kommt von meiner Mutter.“ In der Kindheit sah sie immer, dass ihre Mutter tanzte. 1977 nahm die Beijinger Tanzhochschule Schüler in Tibet auf. Aufgrund ihrer guten Bedingungen begann die 13-jährige Peje, das Tanzen zu lernen.

Sie passte sich dem Klima und dem Essen von Beijing nicht an und konnte Chinesisch nicht fließend sprechen… Im Vergleich zum Ungewohnten und den Hindernissen des Lernens und Lebens in Beijing waren die professionellen Übungen noch schwieriger und grausamer. „Die von den Tänzern auf der Bühne dargestellte Darbietung scheint wie eine schöne Kunstform. Allerdings sind die fachlichen Trainings dahinten sehr grausam. Diese Kunst hat einen starken Kontrast.“ Man stand um 5.00 Uhr auf und nahm an der Probe und dem konzentrierten Training bis zum Abend teil. Außer zum Essen und zum Toilettengang machte man selten Pause. Nach diesem Ablauf hat Peje fünf Jahre Anstrengungen hingenommen und schließlich mit ausgezeichneten Leistungen abgeschlossen.

„Beim Abschluss bekam ich das Angebot von vielen Arbeitsplätzen in Beijing.“ Angesichts verschiedener Gelegenheiten entschied sich Peje, nach Tibet zurückzukehren. Die Tibeter, die das Singen und Tanzen gut verstehen, haben eine lange glänzende Gesangs- und Tanzkultur geschaffen. Diese reichen Ressourcen kann man im ganzen Leben nicht alle lernen. „Deswegen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt. Ich wollte durch eigene Aufführungen mehr Leuten die tibetischen Tänze zeigen“, so Peje.

In Tibet trat Peje dem Tibet-Ensemble bei, das die beste Kunstinstitution Tibets ist. Als Hauptdarstellerin nahm sie an der Aufführung des tibetischen Tanzdramas „Repa-Tanz“ teil und war bei den Zuschauern sehr beliebt. Sie wurde damit gelobt, dass sie „der beliebten Hauptrolle“ und „der Hauptdarstellerin gerecht“ wird. Seitdem ist Peje auf die großen Bühnen des ganzen Landes und Tibets getreten und mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnet worden. Auf dem Titelbild der 7. Ausgabe der Zeitschrift „China Pictorial“ im Jahr 1994 war eine schöne Tibeterin mit zierlicher Figur und feinem Wesen abgebildet.

Allerdings kam ein plötzlicher Schicksalsschlag. Die langfristige Müdigkeit durch das Tanzen machte sie krank. Sogar beim Gehen schnaufte sie. Sie ließ sich untersuchen. „Ich leide an Arrhythmie und habe ein dickes linkes Atrium. Der Arzt forderte mich auf, nicht mehr zu tanzen.“

Pejes Meinung nach sind die Tänze, die sie kennt und dargestellt hat, im Vergleich zum „Meer der Tänze“ Tibets nur „einige Wellen“. Mit der Überzeugung, „sich im ganzen Leben mit dem Tanzen zu beschäftigen“, entschied sich Peje, von der Bühne aus hinter die Kulissen zu gehen und als Choreografin tätig zu werden.

Es ist Peje klar, wie kompliziert es ist, von einer Tänzerin zur Choreografin zu werden. „Beim Tanzen demonstriert man den einstudierten Tanz perfekt. Als Choreografin ist es anders, man soll sowohl die kulturelle Verbreitung der Tänze überlegen als auch das eigene Verständnis und die eigenen Gedanken mit einbeziehen.“ Peje meint, die reichen tibetischen Gesänge und Tänze bereiten jedem Künstler beim Einstudieren der Bewegungen Stress.

2012 lud die Chinesische Nationaloper Peje ein, an der Probe des großen Kammertanzdramas „Prinzessin Wen Cheng“ teilzunehmen. Die Prinzessin Wen Cheng steht für die politische Heirat zwischen der Tang-Dynastie und dem Tubo-Reich. Seitdem starteten die Han-Chinesen und die Tibeter einen freundlichen Austausch. Ihre Reise hat den Tibetern auch fortschrittliche Technologien von Handwerk, Gesundheit und Kultur gebracht.

Als die großartige Szene der Blütezeit der Tang-Dynastie, die prächtigen luxuriösen Trachten sowie die Gesänge und Tänze im ursprünglichen und unbefangenen Stil aus dem tibetischen Hochland auf die Bühne traten, wurden die Zuschauer vor Ort begeistert. Der Applaus nach der Aufführung dauerte mehr als 20 Minuten. Alle Zuschauer standen auf und klatschten Beifall.

Die erfolgreiche Aufführung des Tanzdramas „Prinzessin Wen Cheng“ ist für jeden Choreografen eine große Ehre. Nach dem Erfolg des Bühnenstücks wurde Peje auch eingeladen, das große Amphitheater-Drama „Prinzessin Wen Cheng“ zu schaffen. Der Begriff Amphitheater-Drama ist für Tibet sehr fremd. Früher gab es gar kein Amphitheater-Drama. Würden die Zuschauer es akzeptieren? Wie sollte man die tibetischen Gesänge und Tänze mit dem großartigen Epos verbinden? Mit diesen Fragen haben sie und ihr Team ein halbes Jahr in Zentralchina gelernt.

Schließlich wurden dutzende Programme des tibetischen immateriellen Kulturerbes, darunter der leidenschaftliche Gorchom-Tanz von hundert Menschen, der unbefangene Chuo-Tanz und das laute Agar-Stampfen, ins Drama gemischt. Neben den professionellen Hauptdarstellern sind die anderen Schauspieler aus den land- und viehwirtschaftlichen Zonen. 800 Bauern und Viehhirten nehmen an der Aufführung teil. Seit sechs Jahren wird das Drama zwei- bis dreimal aufgeführt. Alle in- und ausländischen Touristen sowie Bauern und Viehhirten in den tibetischen Regionen, die „Prinzessin Wen Cheng“ gesehen haben, können von der Beleuchtung und Bühnenkunst die Geschichte der politischen Ehe zwischen Han-Chinesen und Tibetern besser verstehen.

Gerade dieses Drama hat Namdon Pejes Leben auf der Bühne verlängert.

(Redakteur:Soong)

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