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Liu Manqing – “Wunderfrau der Republik China“ zur Wiederherstellung der Kontakte zwischen der Zentralregierung und Tibet

Datum: 23.01.2019, 09:00 Quelle: China Tibet Online

Am 28. Dezember 2018 hat das akademische Symposium zu „Liu Manqing und Kangzangzahozhen“ im Tibetologiezentrum Chinas stattgefunden.

Tochter der Familie Liu

Man Qingliu hat den tibetischen Namen Yongjin. Sie wurde 1906 in Lhasa in Tibet geboren. Ihre Mutter war Tibeterin und ihr Vater Liu Huaxuan war der Sekretär des Tibet-Ministers der Qing-Dynastie. Das Leben in Tibet während ihrer Kindheit und die tibetische Kultur haben sie sehr geprägt. 1911 sind Revolutionen in Ostchina ausgebrochen. In der Armee der Qing-Dynastie in Tibet hat sich ein interner Konflikt entwickelt. Die britischen Imperialisten haben dieses Chaos ausgenutzt und die lokalen Oberschichten dazu gestiftet, Milizen zu organisieren, um mit der Armee der Qing-Dynastie zu kämpfen. Auf einmal herrschte Chaos in Lhasa. Die warme Residenz Liu Man Qings wurde von den Aufständischen zerstört. Gezwungenermaßen musste ihre Familie nach Indien ziehen.

Im Jahr 1918 ist die 12-jährige Liu Manqing über den Seeweg ins Vaterland zurückgekehrt, und zwar nach Beiping (dem heutigen Beijing). Ihr Vater hat sie zur Grundschule Nr. 1 der Stadt Beiping geschickt. Sie war von klein auf intelligent und fleißig. Innerhalb von nur einem halben Jahr ist sie von einem Lhasaer Mädchen, das nur Tibetisch sprechen konnte, zu einer Musterschülerin geworden, die nicht nur gutes Chinesisch sprach, sondern auch gute Noten hatte.

Nach dem Abschluss der Grundschule ist sie zur pädagogischen Schule für Frauen in Tongzhou (dem heutigen Tongxian in Beijing) gekommen. Hier ist sie nach und nach mit den Werten der Vierten-Mai-Bewegung wie Demokratie und Freiheit in Kontakt gekommen. Im Lesesaal der Schule hat sie oft in Zeitschriften wie „La Jeunesse“ geblättert. Ideologisch hat sie allmählich Neigungen zu Demokratie und Freiheit entwickelt. Des Weiteren sind ihr Vorstellungen von „Staat“ und „Territorium“ nach und nach klar geworden. 1926 ist sie zum Kurs für Krankenschwestern des Krankenhauses Daoji der Stadt Beijing gekommen. Als die anderen sie fragten, warum sie Krankenschwester werden wolle, antwortete sie: „Ich tue dies, weil Tibet dringend Fachkräfte des Gesundheits- und Bildungswesens braucht.“ Ab dieser Zeit konzentrierte sie sich mehr auf Tibet und die Politik der Zentralregierung gegenüber Tibet.

Reise aus eigenem Antrieb nach Tibet mit 23 Jahren und zwei persönliche Treffen mit dem 13. Dalai Lama

Am Anfang der Republik China hat der 13. Dalai-Lama die bösen Absichten der britischen Imperialisten nach und nach erkannt. Daher hat er angefangen, sich der Zentralregierung anzunähern. Im Winter des Jahres 1928 hat der 13. Dalai Lama seinen Kanbu in Wutaishan in der Provinz Shanxi Lobsang Pasang nach Nanjing geschickt, um mit Chiang Kai-shek, dem Oberhaupt der Regierung der Republik China, zusammenzukommen. Lobsang Pasang hat Liu Manqing als Dolmetscherin beim Gespräch mit Chiang Kai-shek mitgenommen. Die Eleganz und die meisterhafte Beherrschung des Chinesischen und des Tibetischen Lius wurden von Chiang sehr gelobt. Einige Tage später wurde Liu, die nur 22 Jahre alt war, zur Sekretärin der ersten Stufe der Regierung der Republik China ernannt.

1929 hat die 23-jährige Liu Manqing zur Erhaltung der territorialen Integrität und der Solidarität zwischen den Volksgruppen aus eigenem Antrieb gefordert, nach Tibet zu reisen. Dies wurde von der Regierung der Republik China zugelassen. Am 15. Juli ist sie von Nanjing aus abgereist. Bis zum 1. Februar 1930 hat sie zahlreiche Schwierigkeiten überwunden und ist schließlich in Lhasa angekommen. Im März und Mai hat sie sich zweimal mit dem 13. Dalai Lama getroffen.

Beim ersten Treffen hat Liu dem 13. Dalai Lama über die Lage der zentralen Gebiete Chinas berichtet und ihm die Solidarität zwischen den fünf Völkern erläutert. Überdies hat sie ihm die Anteilnahme Chiangs gegenüber Tibet ausgerichtet. Sie hat der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass der 13. Dalai Lama auf die gesamte Lage achten und bei Angelegenheiten, die die staatliche Einheit und die Solidarität zwischen Chinesen und Tibetern angehen, klare Einstellungen haben solle. Das zweite Treffen hat vier bis fünf Stunden gedauert. Der Dalai Lama hat gesagt, dass die Briten ihn zu Untaten verführen wollten, aber er wisse, dass die Souveränität unantastbar sei. Er strebe die Einheit Chinas am meisten an. Solange die Gebiete zu China gehörten, solle man sich nicht voneinander abgrenzen. Überdies meinte der Dalai Lama, dass die internen Konflikte nicht angemessen seien. Des Weiteren hat er die Absicht ausgedrückt, bald Vertreter nach Nanjing zu schicken, um direkte Gespräche mit der Zentralregierung zu führen. In aller Deutlichkeit hat er die Meinung der lokalen Regierung Tibets in der Zeit der Republik China geäußert, dass sie keine Nähe zu Briten suchen und der Zentralregierung nicht abtrünnig werden.

Nach dem Treffen hat der 13. Dalai Lama Liu Manqing immer wieder aufgefordert, seine Botschaft Chiang zu überbringen und seine Worte aufzuzeichnen, damit sie nicht vergessen würden. Am 7. August ist Liu nach Nanjing zurückgekommen. 1931 hat Liu die Erlebnisse dieser Reise im Buch „Kang Zang Yao Zheng“ geschildert und das Buch dann veröffentlicht.

Diese Reise von Liu hat 364 Tage gedauert und dabei hat sie zahlreiche Schwierigkeiten überwunden. Sie hat einen relativ großen Beitrag zur Beseitigung der Skepsis des 13. Dalai Lama gegenüber der Regierung der Zentralregierung und zur Wiederherstellung der Beziehungen zwischen der Tibetischen Regierung und der Zentralregierung geleistet.

Zwei Tibet-Reisen während des Antijapanischen Krieges und Organisation der Aktionen gegen Japaner unter den Einwohnern in Kangzang

Nach dem Ereignis am 18. September 1931 hat sich Liu Manqing aus eigenem Antrieb der Werbung gegen die Japaner angeschlossen. Sie hat die Einwohner der tibetischen Regionen zur Unterstützung mobilisiert. Am 7. Oktober haben Persönlichkeiten wie Liu Manqing usw. in Nanjing die Konferenz zur Rettung des Vaterlands der Landsleute aus Kangzhang ausgerichtet. Kongjo Zhongni und Wu Mingyuan, zentrale Vertreter des 13. Dalai Lama in Beijing, sowie Lobsang Gyaltsen, der Rinpoche Xikang-Nuona, der Rinpoche Songpeng usw. haben an der Konferenz teilgenommen. Ferner haben sie den Brief an das Volk der Nation veröffentlicht. Damit haben sie die Bevölkerung des ganzen Staates zur Handlung mobilisiert, um den Staat und das Volk vor der Krise zu retten.

Tibet befindet sich auf dem Hochplateau im Westen Chinas. Die dortigen Verkehrsanbindungen sind sehr schlecht und daher bekommen sie nur schwer Informationen von der Außenwelt. Am Anfang des Antijapanischen Krieges wussten sowohl die Oberschicht der Mönche als auch die breite Bevölkerung Tibets nicht viel über den Krieg. Deswegen hat Liu die Informationsgruppe der Einwohner Kangzangs zur Bekämpfung der Feinde gegründet. Diese hat in der Region Kangzang Solidarität mit weiten Teilen der Bevölkerung gestiftet, um gegen die Feinde zu kämpfen und den Staat vor der Krise zu retten. Im Sommer des Jahres 1938 hat Liu zusammen mit den Tibetern Qingrang Hutuketu, Konggar Hutuketu, Kelzang Tsering usw. die Vertretergruppe zur Betreuung der Frontsoldaten der Einwohner Kangzangs gegründet. Diese ist in Kampfgebiete wie Chongqing gegangen, um die Soldaten an der Front zu betreuen. Nach ihrer Ankunft in Chongqing haben sie die in den tibetischen Regionen gesammelten Kleinodien durch die Bank dem Staat gespendet. Nach der Rückkehr in die tibetischen Regionen waren sie immer noch aktiv und versuchten, Spenden für die Bekämpfung der Feinde aufzubringen.

Im Oktober desselben Jahres sind Liu Manqing und die Informationsgruppe der Einwohner Kangzangs zur Bekämpfung der Feinde nochmals nach Tibet gegangen und am 2. Februar 1939 in Lhasa angekommen. Dort haben sie alle Kreise Tibets zur Unterstützung bei der Bekämpfung der Japaner und der Beteiligung daran aufgerufen. Über vier Monate lang waren sie in Tibet aktiv. Da die Gruppenmitglieder vor allem Tibeter waren und sich sehr gut mit den tibetischen Bräuchen auskannten, gab es keine Barrieren hinsichtlich der Volksgruppen, der Religion und der Sprache; hinzu kam, dass Liu Manqing 1930 nach Tibet gekommen ist und zweimal vom 13. Dalai Lama empfangen wurde, weswegen sie viele Kontakte mit der Oberschicht hatte. Deswegen war diese Reise ziemlich erfolgreich und hat deutliche Erfolge erzielt. Vor der Abreise in Tibet haben manche Mönche und Einwohner über 110 Rollen selbstgeflochtener Pulu-Teppiche gespendet und sie dazu aufgefordert, diese zu militärischen Westen zu fertigen, damit diese an der Front unter den Soldaten verteilt werden können.

Schade ist, dass diese “Wunderfrau“, die eine enge Bindung ans eigene Volk und Vaterland hatte, den Sieg des Antijapanischen Krieges nicht mit eigenen Augen sehen konnte. 1942 ist Liu mit nur 36 Jahren an einer Krankheit gestorben. In ihrem kurzen Leben hat sie mit den eigenen Erlebnissen eine Geschichte zur Wahrung der Einheit des Staates und der Solidarität zwischen den Han-Chinesen und Tibetern geschrieben. Aufgrund ihrer Beiträge zum Staat und Volk ist sie in die Geschichte eingegangen.

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