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Rigzin Chodron: “Rotzlöffel” des alten Tibets zum „kleinen Lehrer“ des neuen Tibets

Datum: 09.05.2019, 09:00 Quelle: China Tibet Online

Zur Person: Rigzin Chodron ist weiblich und wurde im April 1949 geboren. Dieses Jahr ist sie 70 geworden und lebt im Dorf Liuqiong der Großgemeinde Jixiong des Kreises Gonggar der Stadt Lhoka.

Vor der demokratischen Reform waren die Eltern Rigzin Chodrons Chaiba des Bauernhofes Changguo. Als sie ein Jahr alt war, wurde sie bei ihrer Tante Lobsang Chodron untergebracht. Nachdem sie  etwas größer war, hat sie zusammen mit ihrer Tante als Dienerin für die Mönche von Qukang-Lhakhang, das dem Kloster Dojezhag untergeordnet war, gearbeitet.

Die 70-jährige Rigzin Chodron ist gesund, fit und klar denkend.

Rigzin Chodron wurde in einer Familie von Chaiba des Bauernhofes Changguo geboren und hatte drei Geschwister. Da ihre Familie arm war, wurden sie kurz nach dem Ende der Stillzeit bei drei unterschiedlichen Verwandten untergebracht. „Ich lebte von klein auf bei meiner Tante Lobsang Chodron. Mit 25 ist meine Mutter gestorben. Ich sah sie nur selten. Ab und zu trug mein Vater Holz her. Da sah ich ihn.“ Beim Reden war Rigzin Chodron etwas traurig.

“Meine Tante war die Dienerin der Mönche von Qukang Lhakhang. Sie bekam etwas Getreide dafür, dass sie für die Mönche kochte und saubermachte.“ Rigzin Chodron sagte, dass sie ebenfalls als Dienerin für Mönche arbeitete, als sie 8 oder 9 alt war. Damals schickte das Dojezhag-Kloster regemäßig Getreide zu den Mönchen von Qukang Lhakhang. Ihre Tante und sie bekamen nur wenig davon und mussten fast immer hungern. Manchmal mussten sie im Bauernhof Liuqiong sogar um essen betteln. Sie beneidete am meisten, dass die Mönche Tsampa aßen und Buttertee tranken.

“Wir wohnten in einer Baracke außerhalb von Lhakhang. Die Mönche haben mich nie in Lhakhang reingelassen. Unsere Kleidung wurde aus Stofffetzen zusammengenäht, die der Haushälter des Hofes weggeschmissen hatte. Im Winter haben wir vor Kälte Geschwüre an den Händen bekommen. Trotzdem mussten wir die Mönche bedienen und wurden ausgescholten, wenn sie unzufrieden waren,“ sagte Rigzin Chodron.

In ihren Erinnerungen waren nicht nur Hungern, Kälte und harte Arbeit, sondern auch die Einsamkeit zermürbend.

Rigzin Chodron sagte voller Tränen: „Damals traute ich mich nicht, zusammen mit den Kindern des Hofes zu spielen. Sie haben mich oft schikaniert und schimpften mich als Rotzlöffel. Ich musste allein in der Baracke hausen.“

Im Frühling des Jahres 1959 ist die Volksbefreiungsarmee und das Arbeitsteam in den Bauernhof Liuqiong gekommen. Danach sind Rigzin Chodron und ihre Tante auch zu freien Bürgerinnen geworden und bekamen 3 Mu (rund 0,2 Hektar) Ackerland sowie 10 Schafe.

“Die Armee hat eine Straße vom Dorf zur Übersetzungsstelle des Brahmaputra gebaut und außerdem eine Schule gegründet, so dass die über 30 Kinder des Dorfes allesamt eingeschult werden konnten.“ Als einer der ersten Schüler des Dorfes wurde Rigzin Chodron 1959 eingeschult und blieb dort 5 Jahre. Dadurch ist sie zur „Gebildeten“ des Dorfes geworden.

Aufgrund ihrer guten Noten und weil der einzige Lehrer des Dorfes wegging, blieb Rigzin Chodron im Dorf um mehr Kindern Kenntnisse zu vermitteln , , und wurde dadurch zur „kleinen Lehrerin“ des Dorfes.

Sie sagte: “Da war ich nur etwas über 10 Jahre alt. Ich hatte keine andere Absicht. Nur fand ich, dass es nicht ging, dass das Dorf keinen Lehrer mehr hatte. Daher blieb ich zurück. Meine Tante und die Dorfbewohner unterstützten mich dabei.“ Als einzige Lehrerin des Dorfes hat sie 6 Jahre ausgeharrt.

“Nun bin ich gesund, wohne und esse gut. Meine Tochter Tseten Drolkar und mein Schwiegersohn Migmar sind gut zu mir. Wir haben Acker und ein Einkommen. Außerdem sind wir mit der Arbeit im Dorf beschäftigt und führen ein ausgefülltes Leben.“ Im Blick Rigzin Chodrons sahen wir ihr Glück und ihre Zufriedenheit. 

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