Thema:

Siebzigjähriger zeugt vom Wandel des „Teufels-Engpasses“

Datum: 03.06.2019, 09:10 Quelle: China Tibet Online

Das Erlang-Gebirge ist der erste Pass der Sichuan-Tibet Straße, die vom Flachland Chuanxi bis hin zum Hochplateau führt. Er wurde mal von den Autofahrern als „Teufels-Engpass“ bezeichnet. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts brauchte man ganze drei Tage, um ihn zu überwinden. Heute braucht man nur 14 Minuten, um durch einen Tunnel der Autobahn das Gebirge zu passieren. Dadurch ist das Dorf Tuanjie des Bezirks Garze der Provinz Sichuan am westlichen Eingang des Tunnels durch das Erlang-Gebirge vom „Dorf des fliegenden Tigers“ zu einem nationalen zivilisierten Dorf geworden.

“Auf der anderen Seite des Erlang-Gebirges liegt Ya’an. Von den Senioren haben wir gehört, dass die Teeballenträger aus Ya’an in der alten Zeit allesamt über das Erlang-Gebirge herüberkamen. Nach der Überwindung des Gebirges machten sie in unserem Dorf Halt“, sagte Zhou Wenshou, Bewohner des Dorfes Tuanjie. „Die Straße des Erlang-Gebirges hat die chinesische Volksbefreiungsarmee gebaut. Im Jahr der Fertigstellung bin ich gerade erst geboren worden.“

Die Tee-Pferde-Straße, von der Zhou Wenshou sprach, ist schon während der Song-Dynastie entstanden. Von Ya’an aus führte sie an Luding, Kangding und dem Tee-Pferde-Markt vorbei und erstreckte sich bis nach Lhasa. Bis heute hat sie eine Geschichte von 1000 Jahren. Die Gefahr der Straße beeindruckte den 82-jährigen Senioren Chen Zhengxiu im Kreis Hanyuan der Stadt Ya’an. Er sagt: „Um Geschäfte in Kangding zu machen musste man die Straße nehmen.Die Strecke über das Erlang-Gebirge war am schwierigsten. Der Weg war voller Tücken und außerdem war es sehr unsicher. Mein Vater Chen Detai ist beim -Überklettern des Berges auf Banditen getroffen und seine Sachen wurden geraubt. Kurz nach der Rückkehr ist er an einer Krankheit gestorben. Er war erst 37 Jahre alt. Auf diesem Weg sind viele Menschen erfroren oder an Krankheiten gestorben.“

Ein Mitarbeiter der Gedenkstätte der Sichuan-Tibet Straße des Kreises Luding sagte: „Im Mai 1950 sind 10.000 Bauarbeiter, die in erster Linie Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsarmee waren, ins Erlang-Gebirge gekommen, um die Straße von Sichuan nach Tibet zu bauen. Mit den primitivsten Werkzeugen und sechs Soldaten auf jedem Kilometer haben sie diese Straße am Erlang-Gebirge mit einer Länge von über 60 Kilometern gebaut. Dadurch ist auch das Lied `Lied des Erlang-Gebirges` im ganzen Land bekannt geworden.“

Im Jahr 1953 wurde die Sichuan-Tibet Straße mit einer gesamten Länge von 2255 Kilometern von Ya’an nach Lhasa offiziell fertiggestellt. Dadurch wurde eine Hürde zu einem schnellen Weg. Auf diese Weise gehörte die Tee-Pferde-Straße nun völlig zur Geschichte.

Nach der Fertigstellung der Straße sind die Träger, die im Gebirge herumliefen, ebenfalls nach und nach verschwunden. Stattdessen spielen Lkw-Konvois jetzt die Hauptrolle der Straße. Die Straße am Erlang-Gebirge aus den 50er Jahren im wurde im 20. Jahrhundert immer starker befahren und wurde so zum „Teufels-Engpass“ der Fahrer. Ab 1983 durfte man auf der Straße nur in eine Richtung fahren. Da die Straße eng war und viele Biegungen hatte, waren Staus bei Schnee oder Eis der Alptraum eines jeden Fahrers.

“Damals sagten manche Fahrer, dass das Fahren über das Erlang-Gebirge ein Gefühl erzeuge, als würde man bereits mit einem Fuß im Grabe stehen“, sagte Zhou Wenshou.

Die Staus brachten noch eine weitere unerwartete Änderung mit sich welche die Angst der Fahrer vor dem Erlang-Gebirge noch weiter intensivierte. „In der Zeit durchlebte unser Dorf eine schlechte Geschichte“, sagte Zhou Wenshou. Damals sagten wir nicht, dass wir aus dem Dorf Tuanjian kommen, wenn wir unterwegs waren.

Früher haben die Einwohner des Dorfes von Mais und Äpfeln gelebt. Viele Dorfbewohner haben ihre Äpfel an die Straßen getragen, um sie an die Fahrer zu verkaufen. Jedoch war ein solches Leben sehr hart. Daher haben manche faulen Kerle böse Gedanken bekommen: Sie sind auf Lkws geklettert und haben deren Güter geklaut. Mit den geklauten Gütern betrieben sie Hehlerei. Dies brachte dem Dorf einen besonders anrüchigen Ruf entlang der kompletten Sichuan-Tibet Straße. Es machte auch den „Teufels-Engpass“ noch bekannter.

Zhou Wenshou sagte nach seinen Erinnerungen, dass sich der „Teufels-Engpass“ um das Jahr 2001 herum, mit der Fertigstellung des alten Erlang-Gebirgstunnels, veränderte. Am 23. Mai 1996 wurde der Bau des Erlang-Tunnels offiziell begonnen. Er durchquerte acht große geologische Störungen, über ein Dutzend von Höhlen, verdeckte Flüsse und große Verformungen… 2001 wurde der Erlang-Gebirgstunnel fertiggestellt. Er war damals der längste, tiefste, höchstgelegene Gebirgs-Tunnel mit der höchsten Bodenbelastung und überaus komplexen geologischen Bedingungen Chinas. Der westliche Ausgang des Tunnels befindet sich in der Nähe des Tuanjie-Dorfes.

Zhou Wenshou sagte: “Damals war ich ein Dorffunktionär. Nach der Fertigstellung des Tunnels haben wir als Erstes daran gedacht, die Straße des Dorfes mit der Gebirgsstraße zu verbinden. Wir haben die Dorfbewohner organisiert und die Straße bis zum Ausgang des Tunnels gebaut. Der `Teufels-Engpass` wurde befahrbar und man sieht Hoffnung. Danach gab es immer mehr Menschen, die als Lkw-Fahrer arbeiten oder in anderen Regionen jobben. Deswegen wird das Klima im Dorf immer besser.“

2019 wurden der neue Tunnel des Erlang-Gebirges und die Autobahn Yakang fertiggebaut. Dadurch sinkt die Zeit zum Überklettern des Erlang-Gebirges von nahezu drei Tagen in den 50ern auf nun nur noch 14 Minuten. Der `Teufels-Engpass` wurde befahrbar und das `Dorf des fliegenden Tigers` hat eine gewaltige Änderung durchlaufen.

Am Tag des Interviews sind etwa ein Dutzend Dorfbewohner mit gezüchteten Morcheln auf den Dorfplatz des Dorfkomitees gekommen. Dort warteten sie geduldig auf die Händler, die ihnen die Morcheln abkaufen. Frische Morcheln können für über 40 Yuan pro Kilo verkauft werden. Das Dorf hat eine Anbaufläche von 5000 Mu. Überdies hat es ein Anbaufläche für Kirschen und Walnüsse mit 500 bzw. 1000 Mu. Im Jahr 2018 betrug das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen über 15.000 Yuan.

Das hohe Erlang-Gebirge ist längst kein „Teufels-Engpass“ mehr und das „Dorf des fliegenden Tigers“ hat sich positiv verändert und wurde 2018 als nationales zivilisiertes Dorf ausgezeichnet. Zhou Wenshou sagte: „Ich bin an diesem Gebirge und der Straße aufgewachsen. Den Wandel habe ich selbst miterlebt. Am meisten bewundere ich, dass man heute stolz ist, wenn man sagt, dass man aus dem Dorf Tuanjie kommt.“

(Redakteur: Daniel Yang)

MeistgelesenMehr>>

Geschichte TibetsMehr>>

W020190516297808141517.jpg 微信截图_20190517092936.png
12345