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Eine alte Tibeterin erzählt von der Vergangenheit

Datum: 12.07.2019, 09:30 Quelle: China Tibet Online

Vor 1959 waren die vier Angehörigen der Familie der alten Tibeterin Chilai Leibeigene im Landgut Baina. Den ganzen Tag arbeitete die Familie in der Wassermühle des Grundherrn. Die Gegenleistung war lediglich Tsampa, mit dem man nur das Leben fristen konnte. Trotzdem war die Arbeit in der Wassermühle eine gute Arbeit in den Augen der Leibeigenen.

Um diesen guten Arbeitsplatz zu erhalten, musste die Familie von Chilai 0,53 Hektar Acker des Grundherrn mieten und jedes Jahr 560 Kilogramm Getreide bezahlen. Damals war die Produktionsmenge der Hochlandgerste sehr niedrig und betrug im Jahr nur etwas mehr als 420 Kilogramm. Obwohl sie jedes Jahr Getreide bezahlte, schuldete sie auch jedes Jahr dem Grundherrn.

Vielleicht wegen der Schädigung ihrer Gesundheit durch Staub oder aus anderen Gründen wurde Chilais Mutter krank, als sie neun Jahre alt war. In der Zeit des Mangels an Ärzten und Medikamenten war die Behandlung sehr teuer. Die Leibeigenen konnten nur weiter an ihren Krankheiten leiden. Ihre Mutter konnte aber nicht überleben.

Zehn Jahre später wurde ihr Vater krank. Nach seinem Tod traten andere Leute an seine Stelle. Die 19-jährige Chilai und ihre jüngere Schwester zogen aus der „Luxuswohnung“ mit zwei Säulen neben der Wassermühle und machten für eine kleine Adlige in Boronggang (einem kleinen Ort in der Baina-Kluft) Hausarbeit.

Im Frühling und Sommer schlugen sie und ihre jüngere Schwester auf dem Berg Brennholz, um es gegen Lebensmittel zu tauschen. Im Herbst und Winter machten sie die Hausarbeit. Den Regeln des Landgutes Bainan zufolge mussten die beiden Schwestern jedes Jahr sechs Tage unbezahlte Zwangsarbeit machen. Daneben mussten sie im Sommer zwei Tage unbezahlt den Damm reparieren. Während der buddhistischen Aktivitäten und des Neujahrfestes mussten sie zwei Bünde Zypressenzweige zum Verbrennen vom Berg zurückbringen.

Dieses Leben, in dem man nicht wusste, was der nächste Tag bringt, dauerte fünf Jahre. Eines Tages kamen einige Leute außerhalb der Kluft, riefen alle zusammen und informierten sie über die Befreiung.

Ende jenes Jahres führte der Kreis Dagzê die Bodenreform durch. Der Boden der Grundherren, die an der Rebellion teilnahmen, wurde konfisziert. Der Boden der Grundherren, die nicht an der Rebellion teilnahmen, wurde von der Regierung gekauft und an die befreiten Leibeigenen verteilt.

Nach den demokratischen Reformen ist Chilai von einer Leibeigenen in der alten Gesellschaft zum Herrn der neuen Gesellschaft geworden. Sie und ihre jüngere Schwester bekamen 0,53 Hektar Acker und gründeten ihre eigenen Familien.

Es ist Mittag. Die jüngste Tochter von Chilai, Tsangmulha, geht mit großen Schritten in den Hof. Sie trägt nur ein langärmeliges T-Shirt, fühlt sich aber so heiß, dass ihr Gesicht ganz rot wird. In der Tat hat sie gerade beim Baumpflanzen mitgemacht und ist nach Hause gekommen, um das Mittagessen zu kochen. Das vom Dorf organisierte Baumpflanzen ist ein Bestandteil des Projektes für die ökologische Erholung, das die Regierung mittlerweile durchführt.

„Nun wird unsere Umwelt immer schöner und das Leben immer besser.“ Wenn die alte Chilai das zukünftige Leben erwähnt, ist ihr Gesicht voller Freude.

(Redakteur: Daniel Yang)

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