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Eine 65-jährige Tibeterin besucht die erste Schulklasse

Datum: 19.12.2019, 09:52 Quelle: China Tibet Online

„Ich will zur Schule gehen.“ Diese Idee teilte die 65 Jahre alte Pasang 2017 ihrer Familie mit.

„Damals wollte ich nicht erst die Erlaubnis dazu bei ihnen holen, sondern habe ihnen nur Bescheid gesagt“, erzählt Pasang keck, aber auch unbeirrt. Die ganze Familie hält sie für alt und macht eine „Risikobewertung“ für sie, bevor sie etwas tun will, um sicherzustellen, dass sie die beste Entscheidung trifft. Trotzdem findet sie sich selbst gar nicht alt.

„Mittlerweile ist die Politik des Staates gut. Es gibt eine Krankenversicherung, und meine Enkelin und Enkel genießen einen kostenlosen Schulbesuch. Meine Kinder haben auch verschiedene Arbeitsalternativen. Die Senioren können außerdem kostenlos mit dem Bus fahren. Worum soll ich mich sorgen? Ich will nun nur mein eigenes Leben genießen und mir meinen Wunsch von früher erfüllen“, so Pasang.

Pasang hatte keine Schule besucht. Weil sie sehr früh geheiratet hat, kümmerte sie sich in der meisten Zeit ihres Lebens um ihre Familie und Kinder. Nun ist die ganze Familie gesund. Die Kinder haben eine stabile Arbeit. Pasang hat deswegen keine Sorge mehr.

So begann der Schulbesuch der Seniorin. Die Tongga-Sprachschule zählt zu den Privatschulen in Lhasa, die als erste Institution Kurse für Senioren eingerichtet haben. Laut dem Rektor der Schule, Tanzin Dondrup, wird in den vorhandenen Kursen hauptsächlich Tibetisch-Unterricht gegeben. Der Inhalt setzt sich aus Lehrstoff der Grundschulen zusammen. Das Angebot zielt darauf ab, das Leben der Senioren reich und vielfältig zu machen, damit die Senioren mehr Alternativen haben.

„Bei der Registrierung in der Schule hatte ich noch ein bisschen Sorge und Angst davor, dass ich die älteste Schülerin in der Klasse bin. Dann habe ich bemerkt, dass alle fast dasselbe Alter haben und gleich ‚jung‘ sind.“ Nach dem Beginn des Unterrichts wurde Pasang schnell mit allen eins und fand rasch „Schulfreunde“.

Pasangs Enkelin Qoigyi ist Schülerin der 5. Klasse. Wenn Qoigyi jeden Tag die Hausaufgaben macht, sitzt Pasang daneben und übt Schreiben. „Meine Enkelin sieht, was ich geschrieben habe, und schreibt Strich für Strich nochmal die richtigen Schriftzeichen neben die, die ich falsch geschrieben habe, genau wie eine kleine Lehrerin.“ In fast einem Halbjahr übte Pasang Seite für Seite die 30 tibetischen Buchstaben und las Artikel wiederholt laut. Heute kann Pasang die Nachrichten in der Zeitung fließend lesen.

„Durch das Lernen bekomme ich viel Gutes“, so Pasang.

„Früher fragte meine Enkelin oft ihre Eltern und dachte nie selbstständig, als sie die Hausaufgaben machte. Für eine Sache, die man in zehn Minuten schaffen kann, brauchte sie immer viel länger. Jedoch kann sie stabil sitzen, seitdem ich mit ihr zusammen lerne. Zumindest kann sie rechtzeitig die Hausaufgaben fertig machen“, sagt Pasang aufgeregt.

„Meine Oma ist so alt, dass sie kontinuierlich mehr als eine Stunde die Hausaufgaben macht. Außerdem sind die Hausaufgaben laut meiner Oma nicht von dem Lehrer, sondern von ihr selbst. Ich soll von Oma lernen und eine gute Schülerin sein.“ Dies sagt Qoigyi, als sie sieht, dass sich ihre Oma mit dem Journalisten unterhält.

Außer dass sie ein Vorbild ihrer Enkelin geworden ist, hat Pasang in der Schule auch viele Freunde kennengelernt. „Wir trinken Süßtee zusammen, besuchen den Unterricht zusammen und tanzen zusammen. Jeder Tag ist verplant. Ich habe gar keine Zeit, krank zu sein“, lacht Pasang.

Nach der Schule hat Pasang ein neues Hobby – das Lesen der Zeitung. „Ich erfahre die Politik unseres Landes durch das Lesen der Zeitung. Ich habe so viele Vorzugsmaßnahmen des Landes genossen. Um meine Dankbarkeit auszudrücken, kann ich nur daran teilnehmen. Auf der Feierlichkeit zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China in diesem Jahr habe ich die Rede des Staatspräsidenten Xi Jinping sorgfältig gelesen. Wir genießen nun wirklich ein glückliches Leben.“

Mittlerweile macht Pasang aus gesundheitlichen Gründen zuhause eine „Schulunterbrechung“. Allerdings teilt sie mit, dass sie die Schule weiter besuche, wenn sie wieder gesund werde, weil sie noch „jung“ sei und mehr Kenntnisse lernen wolle.

(Redakteur: Daniel Yang)

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