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Geschichte von Nordtibet – ein Bild und 30-jährige Bindung

Datum: 10.02.2020, 14:31 Quelle: China Tibet Online

Im Hochsommer des Jahres 1987 bin ich neu wegen der Arbeit nach Tibet versetzt worden. Dann habe ich mich allein ins menschenleere Gebiet in Nordtibet gewagt, um nach den Siedlern, die vor zehn Jahren das menschenleere Gebiet in Nordtibet erschlossen und nach den Nachrichten des Gebiets gesucht haben, zu suchen.

Im menschenleeren Gebietin Nordtibet, das über 5000 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist es kalt und hier herrscht Sauerstoffmangel. Hinzu kam, dass ich kein Tibetisch verstand. Darüber hinaus musste ich mich selbst um das Reisen, die Verpflegung und die Unterkunft kümmern. Daher gab es undenkbar viele Schwierigkeiten.

Ich bin per Anhalter mit dem LKW gefahren, um das Büro von Wenbu zu erreichen. Hier war der spätere Kreis Nyima. Damals fand hier ausgerechnet das jährliche Steppen-Pferderennfestival. Eine tibetische Frau, die einen Jungen dabei hatte, sah, dass ich sie fotografierte. Dann hat sie mich gestoppt und mir eine Schüssel dampfenden Buttertees eingeschenkt und sie mir gegeben. Mit gebrochenem Chinesisch sagte sie mir: „Sie können nicht fotografieren, bevor Sie es austrinken.“ „Sie sind neu hier. Der Buttertee kann die Kopfschmerzen wegen des Sauerstoffmangels lindern.“

Nachdem ich Buttertee getrunken und fotografiert hatte, haben diese Tibeterin und einige Nomaden mich in ihr Zelt eingeladen, um Lammfleisch, Joghurt und frittiertes Flachbrötchen zu genießen. Überdies haben sie der Reihe nach Trinklieder gesungen und mir Schlüsseln süßlichen Hochlandgerstenschnapses angeboten…

In dieser Großgemeinde, in der es keine einzige Gaststätte gab, wurden die Zelte der Nomaden zu meinen „provisorischen Raststätten“ und meinen kostenlosen Pensionen. Im endlosen menschenleeren Gebiet haben die Nomaden bei mir, der unterwegs weder Verpflegung noch Unterkunft hatte, die schönsten Erinnerungen und die wärmsten Gefühle hinterlassen. Überdies haben sie eine außergewöhnliche Bindung von über 30 Jahren zu mir entwickelt.

Im Jahr 2014 wurde ein tibetisches Mädchen namens Jigme Lhamo wegen eines schweren angeborenen Herzfehlers zur stationären Behandlung ins Volkskrankenhaus in Lhasa eingeliefert. Ihr Zustand war kritisch. Eine kritische Krankheitsmeldung wurde schon überreicht. Später wurde sie durch meine Kontakte ins Krankenhaus Anzhen in Beijing zur weiteren Behandlung überwiesen. Da sie in Lhasa das Geld schon komplett ausgegeben hatten und über 80.000 Yuan (etwa 10.234 Euro) zur Operation in Beijing brauchten, war die Familie mit einer riesigen Belastung konfrontiert.

Über den Webblog und WeChat habe ich den Bericht „Retten Sie Jigme Lhamo“ veröffentlicht. Nicht wenige Unternehmen und Bürger Beijings haben aktiv darauf reagiert und ihr Scherflein beigetragen. Binnen weniger Tage wurden nahezu 50.000 Yuan (rund 6396 Euro) aufgebracht. Die OP hat der kleinen Lhamo ein neues Leben verliehen.

Wie ist das Leben der kleinen Lhamo nach der Rückkehr in Tibet nach der Operation? Daran denke ich Tag und Nacht. Am 3. Oktober 2016 bin ich mit einem Freund, Wang Boxuan, der beim Eisenbahn-Passagierverkehrsabschnitt Beijing arbeitete, in einen Zug von Beijing nach Tibet eingestiegen. Nachdem wir über 6000 Bücher, die von Wohltätern gespendet worden waren, zur zentralen Grundschule der Großgemeinde Luoma im Kreis Nagqu in Tibet gebracht hatten, sind wir in den Kreis Nyima, der mehr als 580 Kilometer entfernt war,gefahren, um die kleine Lhamo zu besuchen.

Meine Ankunft versetzte die Familie der kleinen Lhamo in abrupte Freude. „Onkel Tang, ich habe dich so sehr vermisst!“ Die kleine Lhamo, die größer geworden ist und zugenommen hat, ist auf einmal auf mich zugesprungen.

Der Vater der kleinen Lhamo, Tsering Shida, musste immer wieder Tränen an seinen Augenwinkeln abwischen und sagte gerührt: „Das Leben Lhamos ist dem Reporter Tang und Ihren Kollegen zu verdanken.“ Danach hat er das Buch „Durchreisen menschenleererGebiete in Nordtibet“, das ich ihm in Beijing geschenkt hatte, gefunden und zeigte auf ein Foto, das ich damals im menschenleeren Gebiet geschossen hatte, während er mir sagte: „Reporter Tang, wir haben uns vor 30 Jahren schon gesehen. Schauen Sie, der rennende Junge in diesem Foto war ich. Daneben war meine Mutter. Es waren meine Mutter und ich, die Ihnen damals Buttertee angeboten haben.“

Das verwunderte mich. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass das menschenleere Gebiet in Tibet eine 30-jährige Bindung zwischen mir und der Familie der kleinen Lhamo hergestellt hat.

Ich bin Mal für Mal ins menschenleere Gebiet in Nordtibet für Interviews gefahren und wurde jedes Mal von Nomaden gastfreundlich bewirtet und unterstützt, so dass ich nicht von der Natur verschluckt wurde. Als Folge habe ich das gute Herz des tibetischen Volkes zu spüren bekommen und das hat dazu geführt, dass ich eine Bindung, die in diesem Leben nicht zu trennen ist, an Tibet entwickelt habe.

Nachdem ich in Tibet nahezu fünf Jahre gearbeitet hatte, wurde ich zwar zur Zweigstelle Beijing der Nachrichtenagentur Xinhua versetzt, wo ich als Reporter arbeite, aber die nicht zu trennende Bindung ließ mich immer wieder nach Nordtibet gehen. Insgesamt war ich sieben Mal im menschenleeren Gebiet in Nordtibet, um den dortigen Aufbau, die Veränderung und die Entwicklung aufzuzeichnen, die tibetischen Freunde, die ich damals kannte oder die mir geholfen hatten, zu besuchen und allem, was mir der Boden und sein Volk gab, zu danken.

Neben meinen zahlreichen Reisen nach Nordtibet konnte ich mich nicht davon abhalten, Menschen und Geschichten, die mit Nordtibet zu tun haben, kennen zu lernen, mich daran zu beteiligen und darüber zu berichten. Mit allen Kräften tue ich etwas für die Bevölkerung in Nordtibet, denn Nordtibet hat mir so viele Emotionen und Verantwortung gegeben.

Quelle: Tibet.cn

Redakteur: Krystal Zhang

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