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Gê'gyai: Neue Viehhirten am Salzsee

Datum: 28.10.2020, 09:47 Quelle: China Tibet Online

Am 21. Oktober saß im Dorf Qiangmai im Kreis Gê'gyai des Regierungsbezirks Ngari des Autonomen Gebiets Tibet der 75-jährige Bhumar in tibetischer Kleidung munter im Schneidersitz. Er drehte ständig sein Handgelenk und ließ das gesammelte grobe Salz unter einem Rascheln in den Beutel gleiten.

Als alpines Weidegebiet wird in der Gemeinde Yanhu im Kreis Gê'gyai kein Getreide produziert, aber glücklicherweise hat die Natur den Menschen in der Gemeinde Yanhu reiche Salzgrubenressourcen zur Verfügung gestellt. Schon vor mehr als 1000 Jahren transportierten die meisten Einheimischen Salz und Viehprodukte zum Kreis Burang im Regierungsbezirk Ngari und sogar nach Nepal, um Lebensmittel, Kleidung und andere Haushaltswaren dagegen zu tauschen.

In der schwierigen Zeit folgte Bhumar mit 14 Jahren seinen Ältesten auf dieser alten Straße, die seit Jahrtausenden überliefert ist. Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen konnten sie es sich nicht leisten, Yaks und Pferde zu züchten. Sie transportierten hauptsächlich mit Schafen die Waren. Während der Fahrt von Hunderten Kilometern mussten sie unter freiem Himmel schlafen und im Freien zu Fuß gehen.

Auf einer der Salztransportreisen zerstreuten sich die Schafe vor Angst. Bhumar weinte und holte alle Schafe über Nacht zurück. „Ich hatte keine Angst, denn es gab Familienmitglieder, die auf Essen warteten.“ Bhumar sagte, die größte Angst war eigentlich der Regen, denn das Salz wurde durch den Regen weggespült und verschwand, so dass im Gegenzug weniger Nahrung dafür getauscht werden konnte.

Im Laufe der Zeit ist die alte geschäftige Salz-Schaf-Straße zu einer Legende geworden und bleibt in der Erinnerung der Menschen haften. Der Geist ihrer Vorfahren, die keine Angst vor Not und Müdigkeit hatten, wurde jedoch von Generation zu Generation weitergegeben und hat die lokalen Viehhirten dazu inspiriert, ihre Einstellungen ständig zu ändern und ein neues Leben anzunehmen.

Im Jahr 2018 wurde der Brauch des Salztransports von Gê'gyai in die fünfte Liste der repräsentativen Programme des immateriellen Kulturerbes des Autonomen Gebiets Tibet aufgenommen, und die Viehhirten in Yanhu haben eine neue Entwicklungsmöglichkeit eingeläutet.

Im Jahr 2005 gründete das Dorf Qiangmai in der Gemeinde Yanhu die Salzfabrik zur Armutsbekämpfung, indem es Sondermittel in Höhe von 140.000 Yuan und Anteile der Dorfbewohner in Höhe von 138.000 Yuan beantragte. Im Jahr 2018 wurde die Grobsalzverarbeitungsfabrik der Gemeinde Yanhu als ein Projekt der Armutsbekämpfungsindustrien identifiziert. 3,6563 Millionen Yuan wurden in die Modernisierung und den Umbau der Grobsalzverarbeitungsfabrik investiert.

Die industrielle Entwicklung hat zu einem Wandel der Denkweise der Viehhirten geführt. „Unter dem Einfluss des traditionellen Gedankens, wenig Vieh zu töten und wenig Vieh zu verkaufen, wurde das Einkommen durch die Viehzucht das ganze Jahr über auf einem niedrigen Niveau gehalten“, sagte Konjo Tsering, der stellvertretende Sekretär des Parteikomitees und  Vorsteher der Gemeinde Yanhu. Jetzt ändere sich die Denkweise der Viehhirten allmählich, und sie passten sich aktiv an die Bedürfnisse der modernen wirtschaftlichen Entwicklung an. Allein in diesem Jahr wurden 12.000 Stück Vieh geschlachtet. 

In der Werkstatt der Salzfabrik setzen die Viehhirten von Yanhu geschickt moderne Maschinen wie Heißlufttrockner, Brecher, Förderbänder und Gabelstapler ein. Bhumars Enkel lernt mit den erfahrenen Vorgängern, wie man Fußbadsalz herstellt. Im Vertrauen auf die reichen Salzressourcen und mit Hilfe der industriellen Entwicklung sind die Viehhirten von Yanhu aus den Zelten in neue Häuser umgezogen, haben die Hirtenpeitschen abgelegt und steuern nun den Gabelstapler.

Die neuen Viehhirten am Salzsee fragen oft den Senior Bhumar um Rat, wie man durch traditionelle manuelle Methoden Salz abbaut, wie man die Wolltaschen für Salz näht, und was die Details des Salztransportes auf dem Rücken der Schafe sind. Als Verbreiter des Brauchs des Salztransports auf Schafen der Gemeinde Yanhu erklärt Bhumar den jungen Leuten oft, dass er diesen Brauch weitergeben möchte.

Quelle: China Tibet Online

(Redakteur: Daniel Yang)

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