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【Geschichte aus Nord-Tibet】 Ein Traum wird wahr: Mit dem Zug über Tanggula

Datum: 06.11.2020, 09:58 Quelle: China Tibet Online

Am 2. Oktober 2006 fuhr ich mit dem Zug T27 Beijing-Lhasa, der erst seit drei Monaten in Betrieb war, durch den Bahnhof Tanggula wie ein Donnerschlag in Richtung des nächsten Stopps in der Gemeinde Nagqu, der Hauptstadt in Nord-Tibet.

Ich konnte nicht glauben, dass zu dem Ort, der früher als „Auf Tanggula kann man den Himmel greifen“ beschrieben wurde, wo nicht einmal Adler fliegen können, jetzt eine Zugstrecke führt. Das hat mich sehr beeindruckt.

Das Tanggula-Gebirge ist der höchste Punkt sowohl der Qinghai-Tibet-Eisenbahn als auch der Qinghai-Tibet-Straße. Die Qinghai-Tibet-Straße führt durch den Tanggula-Pass auf einer Höhenlage von 5231 Metern, während die Qinghai-Tibet-Eisenbahn durch den Tanggula-Bahnhof auf einer Höhenlage von 5068 Metern führt. Tanggula ist seit der Antike eine natürliche Gefahr von Tibet, die die Verbindung und Kommunikation zwischen Tibet und den Provinzen im Binnenland stark beeinträchtigt hat.

Der Sauerstoffgehalt auf dem Tanggula-Gebirge entspricht nur der Hälfte des Sauerstoffgehalts im Binnenland. Der Siedepunkt des Wassers liegt bei 70 Grad Celsius, und die Temperatur liegt unter minus 20 Grad Celsius. Der Ort ist das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt. Biologen nennen ihn die „verbotene Zone des Lebens“. Bis zur friedlichen Befreiung Tibets im Jahr 1951 war Tibet nicht über die Straße mit der Außenwelt verbunden.

Im Sommer 1953 wurde mit Zustimmung des Staates das Hauptquartier für den Bau der Qinghai-Tibet-Straße gegründet. Am 11. Mai 1954 wurden die alte Tang-Tube-Straße, die ehemals kleine Spuren hatte, plötzlich lebendig. Inmitten von Schnee und Eis wurden viele Zelte aufgeschlagen. Auf dem über 30 Kilometer langen Abschnitt an der Spitze von Tanggula auf einer Höhenlage von mehr als 5200 Metern arbeiteten sechs Baugruppen gemeinsam. Überall erklang der schallende und majestätische Arbeitsgesang. Man trug mit Spitzhacken, Hobel, Stahlspitze und Hammer die harten Steine und die Erde auf der Straße ab.

Nach den Anstrengungen von mehr als 2000 Straßenarbeitern wurde in weniger als einem halben Jahr die mehr als 600 Kilometer lange Straße von Golmud zum Tanggula-Gebirge endlich am 20. Oktober fertig. Die Autos fuhren donnernd über den Tanggula-Pass. Die Arbeiter weinten vor Freude. Am 25. Dezember erreichten die Qinghai-Tibet-Straße und die Sichuan-Tibet-Straße, die beide mehr als 2000 Kilometer lang sind, gleichzeitig Lhasa. Davor hatte es in Lhasa keine Straßen gegeben. Die fertiggestellte Qinghai-Tibet-Straße wird als „der Suezkanal auf dem Dach der Welt“ bezeichnet und ist für mehr als 80 Prozent des Warentransports nach Tibet verantwortlich.

Im Juni 1991 beendete ich meine Arbeit in Tibet und wurde nach Beijing versetzt. Mein Arbeitgeber schickte einen Dongfeng-Lastwagen, um mich abzuholen. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ein Yak im Regen plötzlich die Straße überquerte, was dazu führte, dass der Lastwagen, mit dem ich fuhr, direkt zum Fuß des Tanggula-Gebirges stürzte. Der Lastwagen kippte auf allen vier Rädern in eine große, weiche Sandgrube, aber glücklicherweise wurde niemand verletzt. Damals träumte ich davon, mit dem Zug über das Tanggula-Gebirge zu fahren. Wie gut das wäre!

Unerwartet wurde am 1. Juli 2006, 15 Jahre später, die Qinghai-Tibet-Eisenbahn, die höchste Eisenbahn der Welt, in Betrieb genommen. Die Transportmöglichkeiten auf dem tibetischen Hochland haben sich von Straßen zu Zugstrecken entwickelt. Auf der Qinghai-Tibet-Eisenbahn können alle Produktions- und Lebensmaterialien, die das tibetische Volk dringend benötigt, in einem stetigen Strom transportiert werden, und die vielfältigen Produkte des Hochlandes können auch ins Binnenland geschickt werden. Tibetische Landsleute, die seit langem auf dem Hochland leben, können mit dem Zug von Lhasa zur Hauptstadt Beijing in etwas mehr als 40 Stunden reisen. Auf dem Weg dorthin gibt es zauberhafte, großartige schneebedeckte Landschaften. Die geschlossenen und mit Sauerstoff angereicherten Waggons sind geräumig und komfortabel, was die Reise auf dem tibetischen Hochland zu einem angenehmen Erlebnis macht.

Der weite Himmel, die leeren Berge, die glitzernden Seen, die endlose Wüste Gobi und der Sonnenschein im Abschnitt des Tanggula-Gebirges sowie die Wildtiere, die dort herumlaufen, scheinen im Zug zum Greifen nah.

Wenn ich heute an den 2001 begonnenen Eisenbahnbau von Golmud nach Lhasa auf dem tibetischen Hochland zurückdenke, kann ich für die beispiellose Großleistung in der Geschichte des menschlichen Eisenbahnbaus jubeln. Denn beim Bau der höchstgelegenen, längsten Zugstrecke auf dem Hochland gibt es unglaublich viele Schwierigkeiten und Herausforderungen. Trotz der Höhe, der Kälte und der Sauerstoffknappheit kämpften die am Eisenbahnbau beteiligten Wissenschaftler, Techniker und hunderttausend normale Arbeiter fünf Jahre lang an der Bergspitze und im Scheiteltunnel, überwanden den Permafrost, die Umweltauflagen und andere technische Probleme und verwirklichten schließlich den lang gehegten Traum mehrerer Generationen des chinesischen Volkes.

Die Qinghai-Tibet-Eisenbahn durch das Tanggula-Gebirge widerlegt seit ihrer Inbetriebnahme am 1. Juli 2006 die Behauptung, dass die Eisenbahn Lhasa nie erreichen würde.

(China Tibet Online, Text und Fotos von Tang Zhaoming)

(Redakteur: Daniel Yang)

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