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Zamtang trotzt der Kaschin-Beck-Krankheit

Datum: 18.04.2015, 08:04 Quelle: german.cri.cn

Im Kreis Zamtang im Autonomen Bezirk Ngawa der Tibeter und Qiang sind mehr als 10.000 Menschen und damit ein Viertel aller Einwohner von der „Kaschin-Beck-Krankheit" betroffen. Die Erkrankung äußert sich durch Deformierungen der Gelenke in Armen und Beinen. Ursache dafür ist ein gehemmtes Skelettwachstum.

Zamtang trotzt der Kaschin-Beck-Krankheit

Die meisten Menschen in dem Kreis Zamtang, die an der Kaschin-Beck-Krankheit leiden, leben in der entlegenen Hochebene. Erklärungsversuche, warum gerade in dieser Region so viele Menschen von der „Großknochenkrankheit" betroffen sind, gibt es einige. Liao Hong von der Volksklinik des Kreises Zamtang

„Die Ursache für die Krankheit liegt sehr wahrscheinlich in regionalen Faktoren, wie der Trinkwasserqualität, Umwelteinflüssen und den Essgewohnheiten der Einwohner. Eine vollständige Heilung ist bislang nicht möglich. Aber dank des Engagements der lokalen Regierung konnte die Erkrankungsquote bei Säuglingen und Kindern allmählich gesenkt werden."

Zamtang trotzt der Kaschin-Beck-Krankheit

Die meisten Betroffenen sind arbeitsunfähig und leben in Armut. Das wirkt sich auch insgesamt auf die Lokalwirtschaft aus, die nur langsam wächst. 2006 hat der damalige chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao angeordnet, ein Pilotprojekt zu Bekämpfung der Kaschin-Beck-Krankheit im autonomen Bezirk Ngawa zu starten. Das Büro zur Armutsbekämpfung beim chinesischen Staatsrat, das Finanzministerium und das Gesundheitsministerium haben gemeinsam viel Geld in die Hand genommen, um Fachpersonal und medizinische Ausrüstung vor Ort zur Verfügung zu stellen. Wie der lokale Direktor für Armutsbekämpfung und Migration, Zhu Zeming, mitteilt, haben die Maßnahmen der Regierungen des autonomen Bezirks und der Provinz zu ersten Erfolgen geführt.

„Zunächst durften die Einheimischen Getreide, das in Zamtang angebaut und produziert wird, nicht mehr essen. Es wurde aus anderen Regionen eingeführt. Dann ging es auch um Trinkwassersicherheit. Früher wurde normalerweise verunreinigtes Wasser direkt aus der Erde getrunken. Das hat sich durch den Infrastrukturausbau deutlich verbessert. Darüber hinaus wurden mehr als 2000 Familien, die von der Krankheit betroffen sind, in nicht betroffene Gebiete umgesiedelt. Auch gesunde Kinder sollen in Regionen verlegt werden, wo die Kaschin-Beck-Krankheit nicht so häufig ist, und dort weiter zur Schule gehen."

Laut Zhu Zeming hat der Kreis Zamtang bisher mehr als 350 Millionen Yuan RMB für die Bekämpfung der „Großknochenkrankheit" ausgegeben. Um die medizinische Behandlung der Erkrankten zu gewährleisten und ihre Familien finanziell zu entlasten, hat die Lokalregierung alle Patienten in die ländliche Sozialabsicherung aufgenommen, die ihnen ein Existenzminimum garantiert. Zudem sind ein neues Sozialdienstleistungszentrum und fünf neue Altenheime errichtet worden.

Das Altenheim der Gemeinde Rongmuda wurde 2009 errichtet. 90 Prozent der Senioren des Altenheims sind Kaschin-Beck-Patienten. Hier werden sie kostenlos medizinisch behandelt und betreut. Darüber hinaus erhält jeder 100 Yuan pro Monat zum Lebensunterhalt. Der Direktor des Altenheims Gaermu:

Zamtang trotzt der Kaschin-Beck-Krankheit

„Wir haben hier 120 Betten, alles in Doppelzimmern. Die Einrichtungen sind alle von der Regierung zur Verfügung gestellt worden. Viele der Erkrankten können nicht selbst für sich sorgen. Unsere Mitarbeiter kümmern sich um sie, wir kochen jeden Tag und helfen ihnen bei ihren Problemen. Alle Artikel des Alltagslebens werden vom Kreisamt für zivile Angelegenheiten gekauft und verteilt."

Zamtang trotzt der Kaschin-Beck-Krankheit

Die 50-jährige Tibeterin Cuoluo aus dem Dorf Mingda leidet unter einer besonders schweren Form der Kaschin-Beck-Krankheit. Sie ist schon seit sechs Jahren in dem Altenheim:

„Wir führen hier ein gutes Leben. Die Mitarbeiter helfen uns mit unserer Wäsche, beim Duschen und haben immer eine helfende Hand, wenn nötig."

Zamtang trotzt der Kaschin-Beck-Krankheit

Mittlerweile sind alle Erkrankten in die ländliche Krankenversicherung aufgenommen, was ihre Lebensqualität spürbar erhöht hat. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie schlechte Angewohnheiten von früher abgelegt und sich wichtige, vermeintlich selbstverständliche Rituale angeeignet haben: So einfache Dinge, wie regelmäßiges Händewaschen oder mehr Gemüse jeden Tag, haben die Betroffen widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen ihrer Erkrankung gemacht.

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