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Der Viehhirte Tsebong in Nord-Tibet

Datum: 10.10.2017,17:58:12 Quelle:China Tibet Online

Der Viehhirte Tsebong in Nord-Tibet ist fast zu einer Internet-Persönlichkeit in der Hauptstadt geworden.

Ein Foto von ihm mit roten Heldenhaaren auf dem Kopf, gelber Drachenrobe am Körper und einfältigem Lächeln im Gesicht hat sich schnell bei WeChat und Weibo verbreitet.

Manche Internetnutzer loben: „Die Viehhirten sehen sehr gut aus!“

Manche scherzen: „Tubo hat Zentralchina besetzt!“

Manche kommentieren: „Die Tibeter sind zu humorvoll!“


Die Drachenrobe ist die exklusive Kleidung des chinesischen Kaisers. Im antiken China mit strenger Hierarchie wurden normale Menschen bestraft, auf deren Kleidung es die Muster von Drachen gab, geschweige denn die Drachenroben anhatten. Im modernen China gibt es keinen Kaiser mehr. Die Chinesen und die ausländischen Touristen tragen gern Drachenroben und machen ein Foto, um das Gefühl eines Kaisers zu erleben.

Es war Winter 2016 in Beijing. Auf Einladung des Tibet-Yak-Museums fuhr Tsebong zur Teilnahme an der Eröffnungsfeier der Ausstellung der Hochland-Yak-Kultur von der Steppe Nord-Tibet nach Lhasa. Dann flog er zum ersten Mal mit einem Flugzeug zur Hauptstadt Beijing. In der Nacht seiner Ankunft in Beijing habe ich ihn am Hauptstadt-Flughafen empfangen. Ich teilte dem Fahrer extra mit, durch die Chang´an-Straße zum Hauptstadt-Museum zu fahren. Durch das Autofenster sah Tsebong das Tian´anmen-Tor, das er nur aus dem Fernsehen kannte. Die prächtige Beleuchtung machte Tsebong erstaunt und fröhlich. Er sagte, er habe es sich nie träumen lassen, nach Beijing zu kommen.


Ich lernte Tsebong im September 2012 kennen. Unsere Vorbereitungsgruppe für das Tibet-Yak-Museum startete die erste etliche Kilometer entfernte Felduntersuchung. In der ersten Nacht wohnten wir bei Tsebongs Familie im Kreis Biru im Regierungsbezirk Nagqu.

Tsebongs Zuhause befindet sich auf der Steppe auf einer Höhenlage von etwa 4300 Metern. Auf der Weide im Herbst herrschte schon eine goldene Landschaft. Seine Yaks wurden auf der großen Weide frei gezüchtet. Es war Zeit zur Rückkehr. Tsebong rief die Yaks, verband und melkte die Yak-Kühe, und dann musste er auch den frechen Yaks nachjagen. Erst nach einer Weile hatte er Zeit, unsere Untersuchung aufzunehmen. Er informierte uns über die Zahl der von ihm gezüchteten Yaks, die Gewohnheiten und charakteristischen Merkmale der Yaks sowie den Output und das Einkommen aus der Yak-Zucht. Am Anfang wusste Tsebong nicht, warum wir Stadtbürger uns für Yaks interessieren. Wir erklärten, dass wir ein Yak-Museum einrichten, das heiße, einen Palast für Yak, der große Beiträge zur Existenz und Entwicklung der Tibeter leistet, bauen wollen. Der kluge Tsebong hatte schell verstanden. Er sagte, dass er uns helfen werde.

Das Bild zeigt Tsebong (l.) und den Autor (r.)

Am Abend wurde der Kuhfladenofen sehr warm gemacht. Der gastfreundliche Tsebong kochte uns Yak-Fleisch und Buttertee. Wir aßen und unterhielten uns. Tsebong spricht wenig, ist aber der Entscheider in seiner Familie. Er entscheidet, wie viele Yaks und Schafe er züchtet, wann man zum Sammeln des Tibetischen Raupenpilzes gehen soll und zu welchem Preis man ihn verkaufen kann. Er entschied über den Hausbau, den Kauf eines Autos, das Pilgern und sogar auch darüber, wo die Behandlung am besten ist, als seine ältere Schwester krank war. Während des Gesprächs mit Tsebong antwortete er nur, wenn wir fragten. Wenn man keine Frage stellte, schwieg und lächelte er.

Tsebong ist ein sehr fähiger Viehhirte. Er hat sein Haus sehr gut und wohlgeordnet gebaut. Obwohl es nur das Haus eines Viehhirten ist, sind das Wohnzimmer, der Haustempel und der Speicher geeignet aufgebaut. Am eindrucksvollsten ist, dass das Zuhause Tsebongs sehr sauber ist. Er raucht nicht und trinkt keinen Alkohol, so dass wir Raucher beschämt waren und nicht wussten, wohin wir die Zigarettenkippe werfen konnten. Es ist ganz unterschiedlich zum Zuhause anderer Viehhirten.

Ich fragte Tsebong, ob er durch die Vollführung von langem Kotau nach Lhasa gegangen sei. Er sagte, es sei natürlich. Er sei zweimal extra nach Lhasa gepilgert. Zum ersten Mal sei er mit einigen Dorfeinwohnern gemeinsam durch die Vollführung von langem Kotau und zum zweiten Mal als Unterstützer des langen Kotaus anderer Dorfeinwohner gegangen gewesen. Zur Frage, wie schwierig die Fahrt durch den langen Kotau nach Lhasa ist, antwortete Tsebong, dass Xagqu etwa 500 Kilometer von Lhasa entfernt liege. Man müsse über zwei Monate den langen Kotau machen. In der ersten Woche war es sehr ermüdend und es tat am ganzen Körper weh. Danach war es leichter. Je näher man an Lhasa war, desto schneller wurde der Kotau gemacht. Man fühlte sich auch angenehmer. Zum zweiten Mal brauchte er als Unterstützer keinen Kotau zu machen, und bot nur den langen Kotau machenden Dorfeinwohnern Dienstleistungen an, wie zum Beispiel das Kochen. Nachdem er in Lhasa angekommen war, durch den langen Kotau den Jokhang-Tempel und den Potala-Palast besichtigt und die Statuen von Schakjamuni und Avalokiteshvara gesehen hatte, war die Müdigkeit verschwunden. Alle Anstrengungen hatten sich gelohnt.

An jenem Abend forderte Tsebong uns vier auf, im Haustempel seiner Familie zu wohnen. Eigentlich hatten wir für die Reise unsere Schlafsäcke vorbereitet. Unerwartet hatte Tsebong vier neue Bettdecken für unseren Besuch gekauft, obwohl wir nur eine Nacht bei ihm wohnten. Das war uns unangenehm. Obwohl wir wussten, dass die Viehhirten hier durch das Sammeln vom Tibetischen Raupenpilz relativ reich sind, kosten vier neue Bettdecken auch nicht wenig. Natürlich hatte es auch damit zu tun, dass Nyima Tsering in unserer Vorbereitungsgruppe ein entfernter Verwandter Tsebongs ist. Der Ofen im Haustempel wurde auch durch das Verbrennen von Kuhfladen erwärmt. Nur eine immer leuchtende Yakbutter-Lampe vor der Statue von Avalokiteshvara im Haustempel wurde beibehalten. Obwohl wir uns auf einer hohen Höhenlage befanden, haben wir in jener Nacht sehr gut geschlafen.

Das zweite Treffen mit Tsebong fand im nächsten Jahr statt. Tsebong fuhr seinen eigenen Pritschenwagen voller Gegenstände von der mehrere hundert Kilometer entfernten Nord-Tibet-Steppe nach Lhasa. Begleitet von Nyima Tsering besuchte er das vorläufige Wohnhaus unseres Vorbereitungsbüros. Die aus seinem Wagen entladenen Gegenstände füllten den halben Hof aus. Es handelte sich um die von ihm gesammelten Gegenstände seiner Familie und seiner Nachbarn im Dorf, darunter Sattel der Last-Yaks, Holzgefäße für die Herstellung von Yak-Butter und aus Yak-Haaren geflochtene Matten. Ich sah Tsebong erstaunt an. Er sagte, diese Gegenstände seien an das Yak-Museum gegeben geworden. Ob sie nützlich seien? Ich sage, sehr nützlich. Auf Bitte des Museums saß Tsebong allein im Hof und schrieb für jeden Gegenstand den Namen, das Datum und den Verwendungszweck auf. Zum Beispiel wurde ein Sattel von seinem Großvater hinterlassen. Dann rechnete er aus, wie alt er ist, bei wie vielen Handelsgeschäften von Salz und Getreide er beteiligt war und wie viele Kilometer er zurückgelegt hat. Obwohl es nur normale Produktionsmittel sind, handelt es sich tatsächlich um Beweisstücke für die Beziehungen zwischen den Yaks und den tibetischen Viehhirten.

Tsebong ist eine sehr bedachtsame und umsichtige Person. Manche Viehhirten halten die Sattel für nutzlos und verbrennen sie zum Heizen, nachdem sie ein Auto gekauft haben. Tsebong hat die Yaks wirklich verstanden und diese Gegenstände für unser Museum gesammelt.

Ich fragte Tsebong, wie viel diese Gegenstände gekostet haben. Er sagte: „Sie sind Han-Chinese und sind nach Tibet gekommen, um für uns das Yak-Museum einzurichten. Wir sind Yak-Hirten. Wie können wir Geld von Ihnen verlangen?“ Ich habe mehrere Viehhirten-Spender getroffen. Sie haben fast das gleiche gesagt, als ob sie sich abgesprochen hätten. Ich sagte: „Lassen wir dein Auto ölen.“ Dies lehnte Tsebong auch ab. Die schlichten Viehhirten haben mich oft begeistert und waren auch die ständige Triebkraft für meine Vorbereitung zur Einrichtung des Yak-Museums.

Danach wurden Tsebong und ich gute Freunde. Bei einer Lhasa-Reise besuchte er mich immer. Bei jedem Treffen gab er das Küsschen der Viehhirten in Nord-Tibet. Einmal trafen wir uns unerwartet auf dem geschäftigen Markt Congsaikang. Wir hielten es für Schicksal.

In Beijing war Tsebongs Kopfschmuck sehr auffällig. Es handelt sich um die rote „Heldenfrisur“ der Viehhirten in Nord-Tibet. Viele Leute haben noch nie gesehen, dass ein Mann geflochtene Zöpfe trägt. Deswegen hat man Tsebong überall darum gebeten, ein Foto mit ihm zu machen. Aber Tsebong kann kein Chinesisch. Vor den Fremden sagte er nichts. Allerdings sagte er immer verschüchtert: „Wir haben die Yaks verfolgt und Beijing besucht. Wir freuen uns sehr.“

Nach der Eröffnungsfeier gingen Tsebong und zwei andere Viehhirten-Spender zum Tian’anmen-Platz. In den Augen vieler Chinesen, insbesondere derer, die weit von Beijing entfernt wohnen und nicht oft im Leben Beijing besuchen können, ist das Tian’anmen-Tor ein heiliger Ort. Vor dem Tian’anmen-Tor betrachteten viele neugierige Menschen Tsebongs Heldenfrisur. Tsebong sah die Blicke und war stolz darauf, ein Mensch aus dem Hochland zu sein. Vom Tian’anmen-Tor gingen sie zum Besuch des Palastmuseums. Im Jingshan-Park gibt es einen Hintergrund, der alte Kunstwerke nachahmt. Für 80 Yuan kann man in Drachenroben Fotos aufnehmen. So entstand das interessante Foto, das sich schnell im Internet verbreitete.

(Editor:Soong)


 

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