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Kartoffeln gegen Armut

Datum: 11.10.2017,08:43:24 Quelle:China Tibet Online

Der Kreis Dabba befindet sich im Süden des Autonomen Bezirks Garzê der Tibeter in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Die Öko-Tourismuszone Shangri-La mit Yardêng als Zentrum in Dabba, wo es großartige Landschaften wie Schneeberge, Gletscher, Seen, Steppen und Wasserfälle gibt, wird als der „letzte saubere Boden auf dem blauen Planeten“ bezeichnet. Allerdings gibt es unter dem Sonnenschein auf dem Hochland auch Schatten der Armut.

Der Kreis hat eine Bevölkerung von 32.000 Menschen. Bis 2015 gab es noch 5981 arme Menschen in 1328 Familien. Die meisten Dorfeinwohner verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich dadurch, zu verschiedenen Jahreszeiten Tibetische Raupenpilze und Matsutake zu sammeln sowie Hochlandgerste anzubauen und Yaks zu züchten. 2016 betrug das reine Pro-Kopf-Einkommen der Bauern knapp über 3000 Yuan (386 Euro).

Der junge Tibeter Dendrup hat die Oberschule besucht und ist damit „hochgebildet“ in seinem Dorf. Er denkt Tag und Nacht darüber nach, wie man die Lebensqualität erhöhen kann.

Dabba liegt im Südosten des tibetischen Hochlandes. Es mangelt an industrieller Unterstützung, was die Wirtschaftsentwicklung am stärksten beschränkt. Jedoch gibt es hier Kartoffeln, Hochlandgerste, Yaks und tibetische Haushühner, die ausgezeichnete Ausgangszutaten für Lebensmittel sind.

Warum hat er sich entschieden, Kartoffeln zu bearbeiten? Dendrup hat seine eigene Meinung: Erstens hat die Kartoffel allgemein eine gute Qualität und eine breite Entwicklungsperspektive, wird seit jeher als „Erdapfel“ und als „zweites Brot“ bezeichnet. Zweitens gibt es in Dabba zwischen Tag und Nacht große Temperaturunterschiede und reiche Sonnenstrahlung. Die Erde ist locker und enthält viel Kalium. Die Kartoffel hier enthält viel Stärke, ist naturbelassen und schmeckt gut. Drittens hat der Staat 2016 politische Unterstützung für den Anbau, die Aufzucht sowie die erste und intensive Bearbeitung von Kartoffeln angeboten. Deswegen entschied sich Dendrup, einen Weg der intensiven Bearbeitung von Hochlandkartoffeln mit hohem Zusatzwert zu erforschen.

2016 ging Dendrup zum Zuständigen der „Bauerngenossenschaft“ Gerong. Die beiden verstanden sich sofort. Sie berieten sich und besuchten schließlich den Vizeleiter des Kreises, Zou Bing. Zou ist gekommen, um Tibets Entwicklung zu unterstützen. Er hielt die Idee des jungen Tibeters für durchsetzbar und wollte diese mit den Ressourcen der Tibet-Hilfe unterstützen.

Daher hat die Tibet-Hilfe der Regierung fast eine Million Yuan für den Start des Projekts der „intensiven Bearbeitung von Kartoffeln“ angeboten. Die Mitarbeiter der Tibet-Hilfe gliederten sich in drei Gruppen: Eine Gruppe ging unter der Leitung von der Vizeleiterin des Amtes für Land-, Viehwirtschaft, Wissenschaft und Technik von Dabba, You Liping, zu einigen Städten in der Provinz Henan, um Unternehmen, die Anlagen für die Bearbeitung von Kartoffeln herstellen, zu besuchen. Dort haben die Gruppenmitglieder Kenntnisse über die Ausstattung erlangt sowie Kauf und Transport der Ausstattungen abgeschlossen. Eine Gruppe hat sich unter der Leitung des Vizeleiters des Kreises Dabba, Yin Guobing, um die Auswahl des Standorts der Fabrik, die Dokumentation, den Aufbau der Werkstatt sowie die Installation und Probeinbetriebnahme der Anlagen gekümmert. Die andere Gruppe war laut Vereinbarung des Mitarbeiters der Organisationsabteilung beim Kreiskomitee der Kommunistischen Partei Chinas von Dabba, Jia Fuquan, für die Absatzförderung der Produkte zuständig.

Am 22. November 2016 wurde die Fertigungslinie zur Gewinnung von Kartoffelstärke, deren Investition über eine Million Yuan beträgt und sich auf eine Fläche von 900 Quadratmetern erstreckt, nach 48 arbeitsreichen Tagen erfolgreich probeweise in Betrieb genommen. Mittlerweile wurde der Bau der Fabrik abgeschlossen und in Betrieb genommen. Sechs lokale junge Tibeter, einschließlich Dendrup, sind eingestellt worden. Während der Probeinbetriebnahme verdient jeder 3000 Yuan pro Monat.

Das Arbeitsteam der Tibet-Hilfe hat aus dem Binnenland Techniker eingeladen, um sie auszubilden. Der Techniker Zhang Yuanqiang sagte: „Wenn auch Leute wie Gerong eigentlich eine schwierige Ausgangsposition haben, haben sie trotzdem die Leidenschaft zu lernen. Ich bin fasziniert davon und will ihnen alle Technologien beibringen. Vieles müssen sie jedoch in der künftigen Produktion selbst lernen.“

Nach drei Monaten hat sich der Arbeiter Dawa ein neues Motorrad gekauft. „Ich wollte schon seit langem mein altes, schlechtes Motorrad wechseln. Es lohnt sich nicht, es zu reparieren. Während der dreimonatigen Arbeit habe ich sehr sparsam gelebt und endlich eine Yamaha YBR 125 gekauft. Sogar klingt der Motor viel besser“, lacht er.

Silang Drolkar ist auch ein Dorfeinwohner und hat gerade geheiratet. Er wollte auch in der Fabrik arbeiten. Allerdings kann die Fabrik aufgrund der Produktionsfähigkeit nur sechs Arbeiter einstellen. Drolkar war entmutigt, weil er die Chance auf Arbeit verpasst hat. Aber Dendrup beruhigte ihn und sagte: „Keine Eile. Baue deine Kartoffeln an! Die Genossenschaft hat mit der Gemeinde vereinbart, Kaufverträge über Kartoffeln mit den Bauern zu unterzeichnen. Deine Familie kann 600 Kilogramm Kartoffeln ernten. Mit der Gewinnbeteiligung ist das Einkommen auch hoch. Wenn die Fabrik für die Bearbeitung von Kartoffeln später ausgebaut wird und mehr Arbeiter braucht, sage ich dir zuerst Bescheid.“

Dendrups Traum der Kartoffelbearbeitung steht noch vielen Herausforderungen gegenüber, wie zum Beispiel der Qualität der Produkte, den Absatzkanälen und der Lebensmittelsicherheit. Aber sie finden, dass der Start ihrem Geschäft eine Hoffnung auf Erfolg verschafft. Es handelt sich nicht nur um ein Geschäft von Dendrup, sondern auch um einen Weg des kleinen tibetischen Dorfes in Yardêng von Dabba für die Armutsbekämpfung. Die Kartoffelbearbeitung ist eine Grundlage, und sie kann für die Entwicklung der Agrarprodukte wie Hochlandgerste und Rapsöl eine Vorbildrolle spielen.

Autor: Wang Tao
Übersetzt von China Tibet Online
 

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