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Wie wird man höchster Tibet-Buddhismus-Gelehrter?

Datum: 14.04.2017,10:18:23 Quelle:China Tibet Online

Vor kurzem wurde die einmal im Jahr stattfindende Prüfung für den höchsten akademischen Grad der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus in der Haupthalle des Jokhang-Tempels im tibetischen Lhasa veranstaltet. Nach Bestehen der strengen Prüfung bekamen in diesem Jahr zehn Mönche den Grad „Geshe Lharampa“ verliehen.

Geshe bedeutet in der tibetischen Sprache „gute Kenntnisse und belesener Gelehrte“. Jedes Jahr findet in den drei einflussreichsten Klöstern der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus in Lhasa, nämlich Drepung, Sera und Ganden, die Prüfung für den akademischen Grad „Geshe“ statt. Die Geshe-Prüfung entspricht der Prüfung für die akademischen Grade im modernen Bildungssystem und gliedert sich in vier Ebenen. Die höchste Ebene heißt Geshe Lharampa und ist vergleichbar mit einem „Doktor“-Grad unter den Mönchen.

Der akademische Grad Geshe stellt eine Anerkennung für die religiösen Kenntnisse der Mönche dar. Nur mit einem Geshe-Grad können die Mönche als Sutren-Erklärer tätig sein. Er genießt bei den Mönchen und Gläubigen einen hohen Ruf. Es ist für einen normalen Mönch sehr schwer, den höchsten Grad zu bekommen.

Traditionellen Sitten und Gebräuchen in den tibetischen Regionen zufolge schickten die Familien der Oberschicht die Jungen ins Kloster. Nach ihrem Alter und Kenntnisniveau wurden sie in verschiedene Klassen unterteilt. In dieser Zeit wurden sie als „lernende Mönche“ bezeichnet. Die Kinder aus den normalen Familien oder armen Familien wurden auch ins Kloster geschickt. Aber sie dürften nur körperliche Arbeit verrichten oder bewachen. Das Studium der lernenden Mönche gliederte sich in zwei Phasen. In der ersten Phase lernten sie Tibetisch, Kalligrafie und normale Gebetssutren. In der zweiten Phase studierten sie die buddhistischen philosophischen Werke. Die meisten Mönche brauchten 20 bis 25 Jahre, um die beiden Phasen zu vollenden. Im modernen Tibet wird dieses Lernsystem noch beibehalten. Allerdings können die Bewerber nur dann zum Studium ins Kloster gehen, wenn sie die neunjährige Schulpflicht erfüllt haben. Weil sie schon Tibetisch gelernt haben, beginnen die jungen Mönche normalerweise mit dem Sutren-Lernen. Manche erlernen auch die tibetische Medizin und das Thangka-Malen. Heute gibt es keine Klassen mehr. Die meisten Mönche können lernende Mönche sein. Nur selten müssen Mönche wegen der Armut ihrer Familien ausschließlich körperliche Arbeit machen. Im alten Tibet verzichtete ein großer Teil von Mönchen, insbesondere die Mönche aus der Oberschicht, auf das Studium und kehrte ins weltliche Leben zurück, da das Lernen sehr schwierig und das Leben im Kloster sehr langweilig war. Wenige Mönche konnten im Kloster bleiben und weiter studieren. Diese Mönche wurden als „Intellektuelle“ betrachtet und genossen hohen Respekt.

Beim Studium des tibetischen Buddhismus muss man sowohl Sutren lesen und die Erklärung über die Sutren lernen als auch in eine Debatte eingreifen. Die religiöse Debatte ist eng mit dem Leben der Mönche verbunden. In der Debatte wird das Verständnis über die Sutren vertieft sowie die Denk- und Vortragsfähigkeit erhöht, was den Grundstein dazu legt, dass sie künftig Sutren-Erklärer und hochgebildete Mönche werden und den Gläubigen die Sutren und buddhistische Lehren erklären. Fast jeden Tag findet die buddhistische Debatte in jedem Kloster der Gelug-Schule statt. Dabei sitzt ein Mönch und steht der andere. Einer fragt und der andere antwortet. Es geht hart auf hart. Die anderen Mönche oder zur Debatte kommenden Gläubige schauen nebenbei zu. Wenn ein Teilnehmer die Frage nicht beantworten kann oder eine falsche Frage stellt, buhen die Zuschauer ihn aus. Manchmal haben die erregten Fragesteller eine starke Körpersprache, zum Beispiel applaudieren sie, stampfen auf oder ringen auf mongolische Weise. Sogar werfen sie einen Gegner, der die Frage nicht beantworten kann, aber nicht aufgibt, zu den Zuschauern.

Nach einem langen Studium und durch Debatten können die Mönche die Sutren aufsagen und verstehen. Dann können sie sich um die Teilnahme an der Geshe-Prüfung verschiedener Ebenen bewerben. Zuerst finden die Prüfungen in ihren eigenen Klassen, Schulen und Klöstern statt. Zum Schluss halten die drei großen Klöster in Lhasa die Geshe-Prüfung ab. Die letzte Geshe-Prüfung ist großartig. Die Prüfer sind angesehene Äbte der großen Klöster, Direktoren verschiedener buddhistischer Schulen und Sutren-Erklärer. Es gibt auch tausende Mönche und Gläubige. Sie kommen sowohl aus Tibet als auch aus den tibetischen Regionen in Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan. Nur wenn die Teilnehmer vor tausenden Menschen die Debatten-Prüfung bestehen und die Lehren in den klassischen buddhistischen Werken rational erklären, können sie den Grad Geshe erhalten.

(Editor:Soong)

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