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Reisebericht: Der Heimweg der Fels-Männer

Datum: 26.05.2017,10:09:51 Quelle:China Tibet Online

Man wird von einer Mischung aus Liebe und Hass begleitet, wenn man die Heimat verlässt und zur Heimat zurückkehrt. Die Shanyaner, die auf den Überhängen an den beiden Ufern des Flusses Jinsha wohnen, erleben nun einen solchen schwierigen Prozess.

Shanyan bedeutet in der tibetischen Sprache „steiles Gelände“. Die Namen von vielen Orten hier haben etwas mit „Shanyan“ zu tun. Die hier lebenden Einwohner werden "Fels-Männer" genannt. Unter allen Bergpfaden, die ich gegangen bin, haben nur zwei sehr steile auf großen Bergen mich sehr beeindruckt. Auf einem Bergpfad habe ich schon bald an der Bergspitze das Dorf am Bergfuß gesehen, aber einen halben Tag gebraucht, um es zu erreichen. Der andere Pfad, dessen Ende ich nie sehen konnte, schlängelte sich holprig hinunter, was ermüdend und entmutigend war. Wir drei sind zwölf Stunden an einem Tag gelaufen und am Abend in der Kreisstadt Yajiang angekommen. In einem kleinen Restaurant haben wir kurz vor Ladenschluss eine kleine Flasche Schnaps getrunken, um zur Ruhe zu kommen. In China verbergen sich fast alle leckeren Lebensmittel in solchen Lokalen, die unsauber aussehen und klein sind.

Die Region Shanyan, die sich in der Schlucht an den beiden Ufern dess Jinsha-Flusse befindet, zählt heute vielleicht noch zu den landesweit am meisten verschlossenen Regionen. Es ist ein „lebendes Fossil des Restes des ursprünglichen patriarchalischen Systems“. Die Häuser einiger Brüder sind nebeneinander eingerichtet worden. Die Häuser sind groß und machen die Selbstverteidigung günstig. Sie werden als „Goba“ bezeichnet. Man nennt die Organisationen hier „Patsog“, was in der tibetischen Sprache „patriarchalische Organisationen“ bedeutet. Es handelt sich um ein Familiensystem mit der väterlichen Blutsverwandtschaft als Knopfleiste. In der Geschichte hielten die Menschen in den umliegenden Regionen diese Region für arm und rückständig. Sie meinten, dass die Region schwer zu verwalten sei, und die Menschen hier aus Blutsverwandtschaft Rache nehmen und sich aufs Stehlen und Rauben gut verstehen. In der Tat herrscht hier eine tiefgreifende Landwirtschafts- und Jagdkultur. Aber die natürlichen Bedingungen hier sind sehr schwer. Die Berge sind hoch und die Überhänge steil. Das Ackerland befindet sich verstreut wie kleine Tuchstücke auf den Überhängen. Die häufigste Todesursache von Rindern und Schafen ist die, dass sie vom Überhang herunterstürzen.

Die Shanyaner wollen auch ihre Umstände verändern. Viele Menschen sind vom Berg weggezogen und verdienen außerhalb ihren Lebensunterhalt. Seit den 1990er Jahren werden die Einwohner im Kreis Gonjo am anderen Ufer des Flusses organisiert, umzusiedeln. Jedoch haben die Einwohner an diesem Ufer die Selbstumsiedlung gewählt. Eine Familie oder ein „Goba“ ist zu den Nachbarkreisen wie Batang und Garzê sowie in die Gemeinden im Kreis Baiyü umgesiedelt. Manche sind zum Kreis Gonjo und sogar zu den weiteren Orten wie Nyingchi und Lhasa in Tibet umgesiedelt. Bei der fünften Volkszählung im Jahr 2000 gab es in der Gemeinde Shanyan 2014 Menschen. Ich habe den jungen Direktor der Gemeinde Tsewang Phuntsog gefragt, wie viele Menschen es nun gebe. Er sagte, jetzt leben in den Dörfern nur noch 90 Familien mit 568 Personen. Im Dorf Baxue, in dem sich die Regierung der Gemeinde befindet, und im Dorf Sede gibt es jetzt 26 Familien. Tsewang hat uns geführt, die Dörfer zu besuchen. Leider haben wir keine Menschen getroffen, weil es die Zeit für die Ernte des Tibetischen Raupenpilzes war. Die Dorfeinwohner waren auf den hohen Bergen gegangen, um nach dem Tibetischen Raupenpilz zu graben.

Bei der Rückfahrt haben wir endlich einen Dorfeinwohner getroffen. Er zog ein Pferd und brachte Artikel des täglichen Bedarfs zum Berg. Er teilte mir mit, dass seine Familie ein Haus einrichte. Nun gebe es im Dorf sehr wenig Menschen. Kein Haus so groß wie früher könne mehr eingerichtet werden. Er sagte auch, dass er früher in Lhasa gearbeitet habe. Nun sei er zurückgekehrt. Die anderen Menschen in der Gemeinde sagten auch, dass immer mehr Menschen heimgekehrt seien. Einerseits gibt es nun in der Gemeinde Shanyan Straßen, Wasser- und Stromversorgung sowie Schulen. Immer mehr Touristen kommen dorthin. Die lokalen Einwohner haben immer breiteren Raum für die Wirtschaftsentwicklung. Die Lebensbedingungen haben sich auch verbessert. Andererseits ist die Heimat schwer zu verlassen, obwohl die Shanyaner schlicht und frei sind. Ein Heimweg ist eröffnet worden.

Beim Meinungsaustausch mit den Beamten in der Gemeinde sagte ich, dass Shanyan über ein großes touristisches Potential verfüge. Man könnte Leute zum tibetischen Dorf Dampa Gyiagyü oder zum Yardêng im Kreis Dabba schicken, damit sie die Bewirtschaftung von Dorfhotels lernen. Allerdings müsse man die Wohnhäuser in Shanyan möglichst beibehalten. Die natürlichen Ressourcen von Shanyan, ob erhalten oder beschädigt, seien in Zukunft der Wert von Shanyan und auch die Grundlage der Shanyaner angesichts der Zukunft.

(Editor:Soong)

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