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Salztransport: Initiationsritus für tibetische Männer

Datum: 15.05.2018,09:38:59 Quelle: China Tibet Online

Eine Salztransportgruppe.

In Tibet gibt es schon seit alten Zeiten den Spruch: Wenn ein Tibeter in seinem Leben neun Mal Salz transportiert, so zeigt er damit seinen Eltern, die ihn unter Mühen großgezogen und ernährt haben, seinen Dank.” Seit Jahrtausenden führen die Hirten Nordtibets ihre Yaks zu einem hundert bis tausend Meilen entfernt liegenden Salzsee und holen von dort Salz, um es gegen Lebensmittel und andere Dinge umzutauschen. In diesem Sinn könnte man den Salztransport auch als einen Initiationsritus der Tibeter beschreiben.

Der Zhapoye-Salzsee in Tibet.

Die nördliche Qinghai-Tibet-Hochebene lebt vor allem von der Viehwirtschaft und verfügt über viele Salzseen, während der südliche Teil vom Getreideanbau lebt. Im Süden aber fehlt es an Yakbutter, Fleisch und Salz. Deswegen transportieren die Nordtibeter mithilfe der Yaks Salz, um nach Süden, um es dort gegen Getreide, Tee, Stoffe und andere Dinge des täglichen Gebrauchs umzutauschen. In dem Dokumentarfilm "Das Polargebiet" wird auch vom Salztransport erzählt: In Tibet kann man einen Sack reinen Salzes gegen drei Säcke Gerste tauschen.

Eine Gruppe Hirten und ihre Yaks.

Die Hirten machen sich meistens im Frühling auf den Weg zum Salzsee, denn das trockene Wetter in der Frühlingszeit macht es leichter, Salz aus dem See zu holen. Die meisten Salzseen befinden sich im Norden. Und je höher der Salzsee liegt, desto trockener ist das Wetter – und desto leichter kommt man an das Salz. Doch auf dem Weg nach Norden haben die Hirten oft mit Schwierigkeiten und Gefahren, wie Schneestürmen oder Wildtieren, zu kämpfen.

Im Frühling ist es in Nordtibet  noch immer bitterkalt. Die Hirten sammeln auf dem Weg Yakmist das ist der einzige Brennstoff für sie. Die Hirten singen die ganze Fahrt über ihre Lieder, da die Lieder ihnen helfen, ihre Müdigkeit und diese harte Zeit zu überstehen.

Die tibetischen Hirten machen Rast und kochen Tee.

Alle Miedglieder der Salztransportgruppe müssen die Regeln befolgen. Die Gruppe besteht zum Beispiel ausschließlich aus Männern. Sie bilden eine neue "Familie" und sind für verschiedene Arbeiten zuständig: der "Vater" ist für die ganze Gruppe verantwortlich, die "Mutter" kocht, der "Richter" pocht auf die Einhaltung der Regeln und der Mönch singt Sutras. Außerdem müssen alle auf dem Weg ihre "Salzsprache" benutzen, sonst – man ahnt es schon – würde eine der heiligen Regeln verletzt.

Die Hirten packen das Salz in einen Sack.

In manchen Salzseen ist das Salz mit Sand gemischt. Deswegen müssen die Hirten noch weiter nach Norden fahren, um nach reinem Salz zu suchen. Es ist auch nicht leicht, Salz aus dem frierenden Salzsee zu bekommen: man muss zuerst das Eis aufschlagen und das „Abfallsalz“ auf der Oberfläche filtern  dann erhält man reines Salz. Danach soll man das Salz aufhäufen  je höher, desto besser. Das Salz wird schließlich fest in die eigens dafür mitgebrachten Säcke gepackt.

 

Der Pangkog-Salzsee.

Die Hirten müssen die ganze Fahrt über fromm zu der Salzsee-Göttin beten. Sie bieten der Göttin den besten Gerstenwein und Lebensmittel an und beten für reines Salz. Bei der Salzgewinnung geben sich die  Hirten große Mühe, denn sie wissen, dass die Salzsee-Göttin mit ihrer Faulheit nicht zufrieden sein würde. Auch die Vergeudung des Salzes könnte die Göttin verärgern.

Eine alte tibetische Frau kocht Buttertee.

Tee ist ein unerlässlicher Bestandteil im Leben der Tibeter. Die Tibeter trinken ihren Tee gerne mit Salz.  In verschiedenen tibetischen Sprüchen heißt es: "Eine Sprache ohne Spüche ist keine schöne Sprache, und Tee ohne Salz ist kein leckerer Tee." Oder auch:"Wenn man nicht singend die Viehe weiden lässt, ist es so, als ob man ohne Salz Tee trinken würde."

Eine Salztransportgruppe.

Der Salztransport ist für die Tibeter seit tausend Jahren von größter Bedeutung  obwohl mit der gesellschaftlichen Entwicklung die Salztransportgruppen allmählich durch den Transportwagen ersetzt werden und die Yaks seit der Jodat-Politik Chinas nicht mehr zum Transport dienen. Doch sobald die Hirten ihre alten Lieder singen, kommen die Erinnerungen an die Erlebnisse vom Salztransport, die die jungen Tibeter zu Erwachsenen machen, wieder zurück. 

 

Autor: Li Hongqing

Quelle: China Tibet Online

Übersetzt von China Tibet Online

Redakteur: Li Hongqing 

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