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Die Schafböckchen-Kastrationszeremonie am Namtso-See

Datum: 17.05.2016,09:16:42 Quelle: China Tibet Online

Der fünfjährige Yundan steht in 4.700 Metern Höhe in einer nordtibetischen Schafhürde, als die "Nadalin-Zeremonie" beginnt. "Nadalin" ist Tibetisch und heißt soviel wie "Schafe kastrieren".  Zehn Meter von der Schafhürde entfernt steht ein Zelt aus Yak-Fellen, in dem Yundans Mutter das Essen für die Zeremonie vorbereitet. Yundans Vater Jueba ist immer in der Nähe der Schafhürde. Außerhalb der Schafhürde sitzt der alte Tuluo – den die Familie für die Kastration der Jungtiere um Hilfe gebeten hat – und wartet auf den Beginn der Zeremonie.

Die Nadalin-Zeremonie hat hier in der tibeitschen Steppe am Namtso-See eine Geschichte von über 1.000 Jahren. Jedes Jahr zu dieser Zeit, wenn die große Steppe ein klein wenig grün wird, wählen die Hirten und Nomaden Nordtibets einen laut dem tibetischen Kalender glückverheißenden Tag, um die zu Beginn des Jahres geborenen, gerade einmal fünf Monate alten Schafböckchen zu kastrieren. Außer einigen besonders gesunden und starken Schafböckchen, die zuvor extra ausgesucht werden, werden alle anderen Tiere kastriert. Wenn die Tiere dann später erwachsen sind, wird ihr Fleisch entweder verkauft oder für den Eigenbedarf verwendet.

Vor der Zeremonie kommen die Nachbarn mit einigen Scheffeln voll Getreide vorbei, und murmeln – mit etwas Hochlandgerste in der Hand – Segenssprüche und Gebete vor sich hin, mit denen sie um Glück und ein gutes Gelingen der Nadalin-Zeremonie beten und bitten. Dabei lassen sie die Gerstenkörner auf den Boden fallen. Auf einem für die Zeremonie vorbereiteten Kissen ist ein Swastika-Symbol (Hakenkreuz) zu sehen. Das Zeichen ist in der alten, vorbuddhistischen Bön-Religion ein heiliges, glückverheißendes Symbol, das später auch im tibetischen Buddhismus Verwendung fand.

Nachmittags um vier Uhr fängt die Zeremonie dann an. Laut Jueba werde die Nadalin-Zeremonie traditionell an Frühlingstagen mit niedrigen Temperaturen abgehalten, damit sich die Wunden der Schäfchen nicht entzünden und sie Fieber bekommen. "Heute schneit es – ein guter Tag, um Schäfchen zu kastrieren." Nachdem man die etwa 300 Schäfchen und Mutterschafe in die Schafhürde getrieben hat, werden die schreienden Tiere von Yundans Mutter, den Verwandten und Nachbarn sowie dem kleinen Yundan selbst zu dem alten Tuluo gebracht.

Der alte Tuluo hat die meiste Erfahrung beim Kastrieren der Schafe. Er geht geschickt und behutsam vor. Während die weiblichen Tiere nur mit einer Schere am Ohr markiert und dann schon wieder zurück in die Hürde dürfen, müssen die Böckchen eine schlimmere Tortur über sich ergehen lassen.

"Ich habe das Kastrieren der Schafböcke auch von den Älteren gelernt. Es ist notwenidig, um die Herde zu managen sowie die Zahl und Qualität der Tiere zu kontrollieren. Außerdem werden die Schafböcke nach der Kastration fetter und liefern so mehr und qualitativ besseres Fleisch", sagte Tuluo.

(Editor: Daniel Yang)

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