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Tenzin Dorje: Geschichte eines „modernen Rinpoche“ (Teil 2)

Datum: 15.01.2018,10:12:57 Quelle: China Tibet Online

2. „Moderner Rinpoche“

„Möchten Sie meine Musik hören?“, fragt Tendor, dem vielleicht langsam die Reise müde und langweilig geworden ist, obwohl er davor immer aufrecht im Auto saß, und nun schließlich seinen MP3-Player aus der Tasche hervorholt. Durch den Kopfhörer hört man ein englisches Lied mit starkem Rhythmus. Es handelt sich um Hip-Hop, eine der Lieblingsmusikrichtungen von Tendor.

Tenzin Dorje spricht sehr fließend Chinesisch und Englisch, und kann elektrische Orgel und Suona spielen. Deswegen wird er oft als „moderner Rinpoche“ bezeichnet. Als ich ihn frage, ob er diese Bezeichnung mag, runzelt er die Stirn, denkt sorgfältig nach, und antwortet dann: „Ein bisschen unbehaglich.“

Am Anfang lernte Tenzin Dorje von seinem Vater, der früher Rinpoche war. Morgens um 6 Uhr stand er auf, las buddhistische Sutren vor und lernte sie auswendig. Um 10 Uhr begann er, Tibetisch zu lernen. Nachmittags lernte er zu malen. Nun hat Tendor das Studium der Thangka-Kunst in der Kunstabteilung der Tibet-Universität abgeschlossen.

Wenn man sein gutes Chinesisch lobt, wird Tendor verlegen, weil er meint, dass sein Chinesisch nicht gut genug ist. Er hat nie Chinesisch extra gelernt. Die relativ gute Aussprache hat er vom Fernsehen und Radio gelernt. Ein anderer Weg, durch den Tendor Chinesisch lernt, ist, dass er Sutren auf Chinesisch liest. Er hat selbst Pinyin und Strichfolgen gelernt, und außerdem erlernt, in einem Wörterbuch nachzuschlagen.

Im Vergleich zu Chinesisch ist Tendor hinsichtlich seiner Englisch-Kenntnisse selbstbewusster. Vor fünf bis sechs Jahren begann er, Englisch zu lernen, zuerst von einigen Mönchen, später im Englischkurs. „Dies habe ich übersetzt“, weist Tendor auf die englische Vorstellung unter einer Buddha-Statue in der großen Halle. Derzeit plant Tendor, ein Buch über die Himmelsbestattung vom Tibetischen ins Englische zu übersetzen. Sein weiteres Ziel ist, eines Tages im Ausland die buddhistischen Lehren zu erklären und zu verbreiten. „Mein Englisch ist vielleicht mein Vorteil.“

Es gibt in dem Englischkurs, den Tendor besucht, insgesamt mehr als 20 Schüler, darunter einige Mönche aus dem Sera-Kloster. Im Unterricht haben sie aber Alltagskleidung an. Nur Tendor trägt die ganze Zeit eine Mönchskutte. Die Schulfreunde wissen nicht alles über seine Identität. Manchmal haben sie Tendor nach dem Unterricht zu einer Party eingeladen. Aber Tendor hat die Einladungen freundlich abgelehnt.

Der „moderne Rinpoche“ hat nicht nur die tibetischen Inhalte, die die anderen Leute kaum verstehen, ins Englische übersetzt, sondern auch die Mönche, die kein Chinesisch verstehen, gelehrt, durch Pinyin tibetische SMS zu schreiben, um Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Jedes Jahr beim feierlichsten Fest im Kloster „Lingka“ kommt Tendor wieder hierher. Die Mönche bilden zwei Mannschaften, um Fußball zu spielen. Tendor versucht, den Mitgliedern der Mönchmannschaften die vom Fernsehen gelernten Taktiken des Fußballspielens zu lehren.

Nachdem er sich mit den Ritualen im Kloster intensiv beschäftigt hat, plant Tendor zurzeit, eine CD in Chengdu aufzunehmen. Die Inhalte sind die rituellen Lieder der Drigung-Kagyü-Schule, die er im Kloster gelernt hat. Tendor sagt, er hoffe, dass die Hintergrundmusik schlicht und einfach sei, damit mehr Menschen einen praktischen Weg finden, sich mit den buddhistischen Lehren zu befassen und sie zu verstehen.

 

Autor: Li Jing

Quelle: Sanlian Life Week

Übersetzt von China Tibet Online

Editor: Li Hongqing

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